41 FRANZISKANER 3|2025 iegengebliebene Dr. Damian Bieger OFM promovierte über kirchliche Zeitgeschichte, ist Gemeindeseelsorger und Beauftragter der Deutschen Franziskanerprovinz für Geschichte und kulturelles Erbe zwanzig Novizen das Probejahr, kamen in den Fünfziger- und Sechzigerjahren nur noch rund zehn Kandidaten. Mittlerweile sind wir Franziskaner froh, wenn wir überhaupt mal wieder einen einzigen seriösen Interessenten haben. Mit schwindender Zahl an Brüdern – und Niederlassungen – wird auch die Verwaltung des Erbes immer schwieriger. Weitschauende Mitbrüder haben daher schon am Ende der 1970er-Jahre eine Initiative für einen geregelten Umgang mit dem kulturellen Erbe der deutschen Franziskaner gestartet. Als Franziskaner in Deutschland können wir uns nun rund vierzig Jahre danach zugutehalten, dass die Verhältnisse grundsätzlich geregelt sind. Die Kunst ist weitestgehend inventarisiert und das Archiv zentralisiert. Und für die verschiedenen alten Bibliotheken der Klöster hat man mit viel Geduld über die Jahre unterschiedliche Lösungsmodelle entwickelt. Auch für das »Forum der Völker«, also das einstmalige Missionsmuseum, hat sich eine gute Lösung gefunden, die noch umgesetzt werden muss. Im Jahr 2016 hat das Provinzkapitel hierfür auch die Einrichtung einer Stelle für einen Provinzbeauftragten für »Geschichte und kulturelles Erbe« beschlossen. Diese Stelle ist seit dem Jahr 2019 hauptamtlich durch einen Bruder besetzt: durch mich. Und damit kommen wir zu meinen Aufgaben. Das Erbe verwalten bedeutet hier einerseits ein Kümmern um die Fragen guter Aufbewahrung, Erschließung und Vermittlung des Kulturgutes. Das betrifft vor allem Stücke, die mit unserer franziskanischen Identität verbunden sind. Im Schwerpunkt geht es aber meistens – in Kooperation mit für kulturelle Fragen zuständigen kirchlichen und staatlichen Stellen – um das gesteuerte, verantwortete Loslassen und Weitergeben. Mein Hauptdienstsitz liegt in Dortmund, aber meine »Baustellen« verteilen sich auf die gesamte Ordensprovinz. Die Großbaustellen sind: • die Pflege unserer Münchener Provinzbibliothek in Zusammenarbeit mit einer Mitarbeiterin, • die Begleitung des Übergabeprozesses der missionsgeschichtlichen Sammlung des Museums Forum der Völker in Werl an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, • die Betreuung von Hausauflösungen in den Fragen von Kunst: Dabei hilft mir Bruder Gabriel Gnägy mit seiner kunsthistorischen Expertise. Dafür ist zuletzt ein Kunstdepot geschaffen worden. • eine Forschungs- und Publikationstätigkeit in Fragen rund um die Geschichte der Franziskaner im 20. Jahrhundert: Hier soll zum Beispiel bis Ende des Jahres 2025 der noch ausstehende Band der Provinzgeschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz erscheinen. Als biblische Schriftstelle für eine »Betriebsphilosophie« für meine Stelle könnte die lukanische Schmunzelgeschichte über den unehrlichen Verwalter herhalten (Lk 16,1–9). Der weiß, dass für ihn bei seinem bisherigen Herrn die letzte Stunde geschlagen hat. Daher legt er seine Verwalterrolle großzügig zugunsten der Schuldner seines Herrn aus. Dadurch hofft er sich eine Zukunft zu sichern. Es bleibt in dieser Geschichte offen, ob er damit Erfolg hat. Wichtig ist aber, dass Jesus dieses Verhalten sympathisch war. Die Pointe liegt für mich darin: Wer sein eigenes Erbe ordnet, rechnet damit, dass es trotz der Wirklichkeit des sicheren Todes eine Zukunft gibt. Denn er oder sie schaut nach vorne! Kunst-Depot in Paderborn
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