7 FRANZISKANER 3|2025 Mensch? Stefan Federbusch OFM CREATION OD ADAM © MUSEI VATICANI/CLAUDIO PERI | PICTURE-ALLIANCE.COM Der Theologe Petrus Ceelen spricht davon, dass wir als Menschen etwas Gemeinsames haben und etwas Unterscheidendes. Etwas, das uns mit allen anderen Menschen verbindet, und etwas, das uns einmalig macht. Die Frage »Was ist der Mensch?« ist eine uralte Menschheitsfrage. Sie ist zunächst einmal recht abstrakt. Ich kann sie stellen mit dem berühmtesten deutschen Philosophen Immanuel Kant. Es ist die vierte von vier Grundfragen, denen er sich widmet: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Das sind Fragen, die über den Bereich der Philosophie weit hinausgehen. Ich kann die Frage »Was ist der Mensch?« aber nicht nur abstrakt, sondern sehr persönlich stellen: Wer bin ich als Mensch? Sie wird dann sehr existenziell, denn sie berührt mich als Einzelne, als Einzelnen in meinem Selbstverständnis. Wer bin ich? Wie verstehe ich mich selber? Wie definiere ich mich? Welches Bild habe ich von mir? Das Orakel von Delphi hat den Auftrag gegeben: Mensch, erkenne dich selbst! Mach dir Gedanken über dich, frage, wer du bist. Was macht dich aus? Wo kommst du her? Wo gehst du hin? Die Frage »Was ist der Mensch?« bleibt aber nicht beim Einzelnen stehen. Aus dem ICH wird das WIR – und entsprechend verändern sich die Kant’schen Grundfragen: Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Was ist die Menschheit?
RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=