Franziskaner - Frühling 2025

Genesis 18,9–15 Da sprach er: In einem Jahr komme ich wieder zu dir. Siehe, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben. Sara hörte am Eingang des Zeltes hinter seinem Rücken zu. […] Sara lachte still in sich hinein und dachte: Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch Liebeslust erfahren? Auch ist mein Herr doch schon ein alter Mann! Da sprach der herr zu Abraham: Warum lacht Sara und sagt: Sollte ich wirklich noch gebären, obwohl ich so alt bin? Ist denn beim herrn etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben. Sara leugnete: Ich habe nicht gelacht. Denn sie hatte Angst. Er aber sagte: Doch, du hast gelacht. Sara, die Frau Abrahams, ist als »Erzmutter Israels« bekannt. Ihre Geschichte zeigt die Schmach, die sie als kinderlose Frau erlebte, und ihren Glauben an Gottes Verheißungen. Erst im hohen Alter gebar Sara ihren Sohn Isaak. Sie starb im biblischen Alter von 127 Jahren. Sara war so schön, dass ihr Ehemann Abraham sie zweimal als seine Schwester ausgab, weil er befürchtete, man würde ihn töten, um ihm diese Frau wegzunehmen. Sara ist eine Frau der langen Wege und der großen Geduld. Sie zieht mit Abraham in ein unbekanntes Land, getragen von Verheißungen, die sich Jahr um Jahr nicht erfüllen. Ihre Stärke liegt im Aushalten, doch diese Geduld wird immer wieder auf die Probe gestellt. Sara kennt Zweifel und Bitterkeit, sie fühlt sich übersehen und leer angesichts ihres unerfüllten Kinderwunsches. Ihr Lachen, als sie von der späten Geburt hört, ist ein müdes, ungläubiges Lachen. Sara ist realistisch, manchmal hart, manchmal verletzend – besonders gegenüber Hagar, ihrer Magd. Und doch ist sie eine Frau, die für ihre Position kämpft. Als sie Isaak, ihren Sohn, in den Armen hält, verwandelt sich ihr Lachen in Staunen. Sara steht für den Konflikt zwischen Glauben und Erfahrung und für die Mühe, die Hoffnung nicht aufzugeben. Sie ist eine starke und gleichzeitig ambivalente Frau, deren Leben zeigt, wie schwer Vertrauen sein kann – und wie tief die Freude, wenn Verheißungen sich erfüllen. Theologisch steht Sara für den wartenden Glauben. Sie glaubt nicht blind. Kann Gott wirklich gegen die biologische und soziale Wirklichkeit handeln? Ihre Härte gegenüber Hagar zeigt die dunkle Seite des Wartens: Angst, Konkurrenz, Leere. Doch sie erfährt: Gott bleibt seiner Verheißung treu. Die Geburt des Sohnes Isaak ist kein Verdienst Saras, sondern reines Geschenk. Treuer Gott – du Gott der Verheißung und der langen Wege! Wir Menschen ringen mit enttäuschten Hoffnungen und müde gewordenem Glauben. Nimm unser Lachen ernst – auch dort, wo es unglaubwürdig klingt. Lass uns staunen über das, was du uns schenkst. Stärke uns im Warten. Amen. SARA sara : © cpa media co. ltd – picture.alliance.com

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