Franziskaner - Frühling 2025

Frühling 2026 | Der franziskanische Wegbegleiter Genesis 16,4 Abraham ging zu Hagar, und sie wurde schwanger. Genesis 16,7–11 Der Engel des herrn fand Hagar an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur. Er sprach: Hagar, Sklavin Saras, woher kommst du, und wohin gehst du? Sie sagte: Vor Sara, meiner Herrin, bin ich davongelaufen. Da sprach der Engel des herrn zu ihr: Kehr zurück zu deiner Herrin und beuge dich unter ihre Hand! Der Engel des herrn sprach zu ihr: Mehren, ja mehren werde ich deine Nachkommen, sodass man sie wegen ihrer Menge nicht mehr zählen kann. Weiter sprach der Engel des herrn zu ihr: Siehe, du bist schwanger, du wirst einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Ismael – Gott hört – geben, denn der herr hat dich in deinem Leid gehört. HAGAR Hagar war eine aus Ägypten stammende Magd Saras. Sara und ihr Mann Abraham hatten bis ins hohe Alter keine Kinder. Da sich aber beide nach einem Nachkommen sehnten, empfahl Sara ihrem Mann, mit ihrer Magd Hagar zu schlafen. Die gebar Ismael. Für Sara war das in Ordnung, denn das Kind der persönlichen Magd galt damals als eigenes Kind. Hagar wurde mit ihrem Sohn Ismael in die Wüste geschickt, nachdem Sara ihren Sohn Isaak geboren hat. Hagar ist die Fremde, die Übersehene, die Magd ohne Stimme – und doch ist sie die erste Frau der Bibel, die Gott einen Namen gibt. Ihre Geschichte widerspricht der Vorstellung, Gott sei ein Gott der Mächtigen und der Erwählten. Als ägyptische Sklavin lebt sie im Schatten Saras und Abrahams, abhängig von deren Entscheidungen. Hagar ist jung, fruchtbar, verletzlich. Als sie von Abraham schwanger wird, verändert sich ihr Blick: Sie spürt erstmals Würde und Selbstbewusstsein. Doch diese neue Stärkte birgt Konfliktpotenzial. Gedemütigt von Sara und Abraham flieht sie in die Wüste, an einen Ort der Einsamkeit und Angst. Hier wird sie gesehen. Gott spricht sie an, nennt ihren Namen. Und Hagar wird die Frau, die Gott einen Namen gibt: »Du bist der Gott, der nach mir schaut, der mich sieht.« Diese Erfahrung trägt sie durch die Zeiten der Not, des Überlebenskampfes, des Ausgestoßen-­ Seins. Hagar ist zäh, mütterlich und mutig. Sie weint – und sie handelt. Ihr Leben erzählt von Ausgrenzung und göttlicher Nähe – und davon, dass Würde nicht von Herkunft und Status abhängt. Hagar erfährt Gott als ein Gegenüber, einen Gott, der Lebensräume schafft und größer ist als menschliche Grenzen. Gott, der du siehst, du kennst die Namen der Übersehenen und Vergessenen. Wir bitten dich für alle, die in der Wüste ihres Lebens stehen: für die Vertriebenen, die Schutzlosen, die Erschöpften. Sei du der Gott, der hört, wenn niemand zuhört. Und schenke Wasser, wo das Leben zu verdorren droht. Amen. hagar : © josef straka – picture.alliance.com

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