Franziskaner - Frühling 2025

31 FRANZISKANER 1|2026 Franz Josef Kröger OFM Im Zeichen dieses Kreuzes siedeln sich ab 1212 Klara von Assisi und ihre ersten Schwestern mit ihrer Lebensgemeinschaft in San Damiano an. Hier soll Klara im Jahre 1240 die Stadt Assisi und das Kloster San Damiano durch einen mutigen Auftritt mit dem Allerheiligsten vor einem Übergriff durch sarazenische Söldner Kaiser Friedrichs bewahrt haben. Hier hat sie Franziskus beherbergt, als er seinen Sonnengesang vollendete, das Lied vom Lobe Gottes, geboren mitten im Leid. Hier haben Klara und ihre Schwestern Abschied genommen von Franziskus, als er nach seinem Tod in der Portiunkula in die sicheren Mauern Assisis getragen wird. Als die Klarissen im Jahre 1257 San Damiano aus Sicherheitsgründen verlassen und sich innerhalb der Stadtmauern an der Kirche Santa Chiara ansiedeln, wird auch das Original des Kreuzes nach Santa Chiara gebracht, wo es bis heute seinen Platz gefunden hat. Klara und ihre Schwestern haben nur gut 40 Jahre in San Damiano gelebt. Danach für mehrere Jahrhunderte die Minderbrüder. Doch verbinden sich mit diesem Ort in erster Linie die Erinnerungen an das Leben der »Gründergeneration«, an das Leben von Klara und ihren Schwestern und einige wenige Begebenheiten aus dem Leben von Franziskus. Das Kloster der heutigen Brüder steht für eine Besichtigung nicht zur Verfügung. Am besten beginnt man seinen Gang durch das alte Kloster in der Kirche mit der Kopie des San-Damiano-Kreuzes. Von dort gelangt man rechter Hand im Chor der Kirche zu der ersten Begräbnisstätte der Klarissen, von wo aus man auch einen Blick auf den Chor der heiligen Klara werfen kann. Über eine alte Treppe erreicht man nach einigen Schritten das Oratorium der heiligen Klara. Auf halbem Weg kann man in das Gärtlein der heiligen Klara sehen. Hier soll Franziskus, fast erblindet, von Schmerzen und Mäusen geplagt, den Sonnengesang gedichtet oder vollendet haben. Über eine Treppe gelangt man in den Schlafsaal der Schwestern. Ein einfaches Kreuz und Blumen zeigen den Ort, an dem Klara geschlafen und während ihrer langen Krankheit gelegen hat. Über eine Treppe geht es nach unten in den Kreuzgang mit einem der schönsten Innenhöfe Italiens. Und wenn man auf dem Vorplatz von San Damiano steht, dann ist in der Fassade oben noch ein alter Zugang zum Kloster zu entdecken. Das diente der Sicherheit der Schwestern. Man betrat das Innere über eine Leiter, die hochgezogen werden konnte. Für Franziskus war San Damiano ein Rückzugsort besonderer Art, ein Kraftort für seine wunde Seele und seinen leidgeprüften Körper. Hier – im Angesicht des Kreuzes und in der Nähe seiner geistlichen Schwester Klara – fühlte er sich gut aufgehoben, auch in den Schmerzen seiner Krankheit, auch als er mit seiner Lebensweise unter den eigenen Brüdern auf Widerstand stieß. Es war das Kreuz, an dem er sich immer wieder aufrichten konnte. Im Zeichen des Kreuzes hat er seine Berufung gefunden. Im Zeichen des Kreuzes hat er die Liebe seines Lebens entdeckt. Im Zeichen des Kreuzes hat sein Leben seine Erfüllung gefunden.

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