Franziskaner - Frühling 2025

32 FRANZISKANER 1|2026 Gerechter Übergang Wie ein menschenwürdiger Umbau der Wirtschaft gelingt Die kleine Gemeinde Santa Clara liegt an den Ufern der Isla-Verde-­ Straße auf den Philippinen – eine Region, die aufgrund ihrer reichen Artenvielfalt manchmal auch als »Amazonas der Ozeane« bezeichnet wird. Dort ist es allerdings nicht so malerisch, wie es zunächst klingt. Denn direkt hinter der Stadt ragt eine Flüssigerdgasanlage (LNG) mit ihren Schornsteinen auf. Ein großer Tanker, der den Brennstoff anliefert, liegt direkt vor der Küste vor Anker und lässt die traditionellen Fischerboote, die am Strand verstreut liegen, winzig erscheinen. »Sie haben diese Kraftwerke gebaut, um die gesamte Batangas-Insel mit Strom zu versorgen, aber die Menschen, die direkt daneben leben, haben nicht einmal einen Anschluss an das Stromnetz«, sagt Bruder Jose Rico OFMCap, der Santa Clara regelmäßig besucht, um die Einwohnerinnen und Einwohner zu unterstützen. »Alles, was die Menschen hier bekommen haben, war der Verlust ihres Einkommens. Und ihrer Gesundheit.« Ende 2020 kündigten die Philippinen ein Moratorium für neue Kohlekraftwerke an und setzten auf LNG als »Brückenkraftstoff« auf dem Weg zu einer grüneren Wirtschaft. Doch es bleibt offen, was auf der anderen Seite dieser Brücke wartet: Denn es gibt keine umfassende Strategie für die nächsten Schritte. Unterdessen schadet der massive Ausbau der neuen LNG-Infrastruktur sowohl den Gemeinden als auch der Umwelt. So kam es bereits zu mehreren Unfällen, beim bislang schwersten liefen aus einem Tanker 900.000 Liter Öl in die Isla-Verde-Straße. Für Santa Clara hat die Einführung von LNG als angeblich »umweltfreundlicherem« Brennstoff zur Stromerzeugung nichts als Probleme gebracht. Damit die Containerschiffe mit LNG aus den Golfstaaten die Terminals erreichen konnten, musste der Meeresboden ausgebaggert werden, was die lokalen Fischgründe zerstört hat. Die Menschen berichten von einem Anstieg von Lungenerkrankungen, insbesondere bei Kindern. Sie vermuten auch, dass die Krebsraten stark ansteigen. Da sich aber nur wenige von ihnen eine angemessene Gesundheitsversorgung leisten können, ist es schwierig, die tatsächlichen Auswirkungen auf die Gesundheit zu bestimmen. Die Situation in Santa Clara zeigt ein großes Problem auf. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Klimakrise rasch außer Kontrolle gerät. Die Vereinten Nationen warnen davor, dass die globale Erwärmung in den nächsten drei Jahren die 1,5-Grad-Marke überschreiten könnte – eine symbolische Schwelle, die die Grundlage des Pariser Abkommens bildet. Um einen vollständigen Ein LNG-Frachter überragt die traditionellen Fischerhütten und -boote in Santa Clara

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