12 FRANZISKANER 2|2026 »Glaubst du auch, was du da liest?« Predigt und KI Regina Frey An dieser Stelle endete die Unterhaltung. ChatGPT war abgestürzt. Vermutlich war meine Frage dann doch etwas zu groß für die künstliche Intelligenz, wahrscheinlich aber lag es an meiner Internetverbindung. Die Frage nach dem angemessenen Gebrauch von KI in der Verkündigung hängt ganz wesentlich davon ab, was es braucht, um den Glauben zu verkündigen. Ganz grundlegend betrachtet braucht es zweierlei: einen Inhalt, der verkündigt wird, und eine Person, die verkündet. Der Inhalt, die Botschaft der christlichen Verkündigung, umfasst den christlichen Glauben, der sich in Leben, Tod und Auferstehung Jesu verdichtet. Wer verkündigt, muss diese Botschaft zunächst selbst kennen und verinnerlicht haben. Für die Glaubensverkündigung braucht es Verkündigerinnen und Verkündiger, die selbst glauben, was sie sagen. Predigt ist damit die Kunst, so über den Glauben zu sprechen, dass sich mein Gegenüber mit seinem eigenen Leben und seinen eigenen Erfahrungen wiederfindet und sich darin in einer vertikalen Verbindung zu Gott erkennt. Es ist, um es ganz direkt zu sagen, die Kunst der Demut. Demut vor dem Leben und Glauben meiner Zuhörer und Demut vor der immer so viel größeren Botschaft und Wirkmacht des Wortes Gottes. Diese Kunst des Predigens kann und muss man erlernen, nicht nur während der Ausbildung für den seelsorglichen Beruf, sondern beständig neu. Denn Sprache, Lebenserfahrungen und Glaube sowohl der Zuhörer als auch der Prediger befinden sich in einer beständigen Dynamik. Die Homiletik, also die Wissenschaft von der Vorbereitung und dem Halten von Predigten, greift dafür auf verschiedenste Bereiche zurück: klassische Rhetorik, Kommunikationswissenschaften, Schauspiel, Spiritualität, Identitätsbildung usw. Und seit Neuestem auch auf künstliche Intelligenz. Für viele Menschen gehört das Befragen einer KI bei alltäglichen Aufgaben zur Normalität. Studierende besitzen inzwischen die Fähigkeit, KI-generierte Texte von anderen Texten zu unterscheiden. Und hier wird es nun im Hinblick auf die Predigt spannend: Was passiert, wenn ich meine Predigt von der KI schreiben lasse? Zunächst einmal nicht viel. Eine KI-generierte Predigt ist weder besser noch schlechter als eine durchschnittliche Sonntagspredigt. Vielleicht sind die darin verwendeten Bilder und Geschichten sogar origineller, die Sprache etwas flüssiger und der Aufbau eindeutig stringent. Vermutlich können Hörerinnen und Hörer auch nicht unterscheiden, ob die am Sonntag vorgelesene Predigt nun aus einer Predigtzeitschrift stammt oder von der KI. Sie merken aber sehr wohl intuitiv, ob die Predigerin, der Prediger die Botschaft zu ihrer Botschaft gemacht haben. Ob er oder sie mit dem, was verkündigt wird, innerlich unterwegs ist. Oder, mit der etwas abgeänderten Frage des Apostels Philippus an den Äthiopier: »Glaubst du auch, was du da liest?« (Vgl. Apg 8,30.) Eine sprachlich ausgefeilte, theologisch korrekte und rhetorisch glanzvoll vorgetragene Predigt bleibt ebenso wirkungslos wie das unvorbereitete freie Assoziieren über das Evangelium, solange es vom Glauben und der Person des Predigers abgekoppelt bleibt. Zur Verkündigung des Glaubens braucht es vor allem Personen, die selbst glauben und gewillt sind, diesen Glauben weiterzugeben. Ob die KI dann das passende Bild zum Einstieg geliefert hat oder nicht, ist am Ende zweitrangig. Prof. Dr. Regina M. Frey ist Lehrstuhlinhaberin für Pastoraltheologie, Religionspädagogik und Homiletik an der Universität Fribourg. Zudem ist sie Referentin für die homiletische Ausbildung in mehreren deutschen Bistümern. Frage: »Weißt du, ob es Gott gibt?« Antwort: »Ich selbst habe keinen Glauben oder eigenes Wissen im menschlichen Sinn. Ich kann aber helfen, die verschiedenen Sichtweisen fair zu erklären — religiös, philosophisch oder wissenschaftlich.« Frage: »Was braucht es, um den Glauben zu verkündigen?« Antwort: »…«
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