Franziskaner - Sommer 2025

11 FRANZISKANER 2|2026 Künstliche Intelligenz und … Wasser Der Wasserverbrauch von KI-Systemen hat mehrere Ursachen. Zum einen müssen die Rechenzentren gekühlt werden. Der »Wasseratlas« der Heinrich-Böll-Stiftung verweist auf Schätzungen, dass ChatGPT einen halben Liter Wasser für 20 bis 50 Anfragen benötigt. Bei den aktuell geschätzten 2,5 Milliarden Anfragen pro Tag wären das zwischen 25 und 62,5 Millionen Liter Wasser täglich. Hinzu kommt der Wasserverbrauch durch das Training der KI-Modelle. Für ChatGPT-3 waren dies laut einer Studie zweier US-Universitäten rund 700.000 Liter Wasser. Und auch die Lieferkette von KI wirkt sich aus: Vom Abbau der Rohstoffe über die Herstellung der Server bis hin zum Bau der Rechenzentren wird Wasser benötigt. Ein aktueller Bericht der Universität der Vereinten Nationen erwartet, dass KI so bis 2030 einen Wasserverbrauch erreicht, der dem jährlichen Grundwasserbedarf aller 1,3 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika entspricht. KI entwaffnen Besonders wichtig ist es dem Pontifex zudem, KI zu entwaffnen – eine Wortwahl, die er ganz bewusst getroffen hat, wie er betont. Er spricht hier nicht nur vom Einsatz von künstlicher Intelligenz in bewaffneten Konflikten. Sein Ansatz ist weitreichender. Er will KI der »Logik des bewaffneten Wettbewerbs« entziehen, und hierzu zählt er neben dem Militärischen auch das Wirtschaftliche. Er kritisiert den derzeitigen Wettbewerb um den besten Algorithmus und die größte Datenbank, der nur dem Zweck diene, einen Vorteil gegenüber anderen zu erreichen. Dem liege eine Gleichsetzung von technischer Macht und dem Recht zu herrschen zugrunde, die er ablehnt. KI entwaffnen bedeutet für ihn, diese Logik zu durchbrechen. Künstliche Intelligenz soll Monopolen entzogen und hinterfragbar und anfechtbar gemacht werden. Dem steht das von ihm kritisierte technokratische Denkmuster mit seinen Narrativen entgegen. Hier macht sich Papst Leo vor allem über die geistigen Strömungen Gedanken, die dem zugrunde liegen: Transhumanismus und Posthumanismus. Sie sollen mit ihrer Vision vom »verbesserten Menschen« Begeisterung für die neuen Technologien wecken. Das Problem dabei: »Wenn der Mensch als Material behandelt wird, das man vervollkommnen oder überwinden muss, dann wird es leichter akzeptabel, dass einige Menschen als weniger nützlich, weniger liebenswert, weniger würdig angesehen werden.« Schließlich würden die Schwächsten im Namen des Fortschritts geopfert. Und wenn Krankheit, Leiden oder Verletzlichkeit lediglich als zu behebender Mangel betrachtet werden, verliere der Mensch die Möglichkeit zu wachsen und zu reifen. Leo XIV. sagt: »Wir müssen daran denken, dass der Mensch nicht trotz seiner Begrenztheit, sondern oft gerade durch seine Begrenztheit zur Entfaltung gelangt.« Einige Strömungen des Posthumanismus sprechen sogar von »Menschen zweiter Klasse«, die den Eliten dienen sollen, die sich selbst für überlegen halten. Dieser Ideologie setzt Papst Leo Gnade und christlichen Humanismus entgegen. In einer Zeit, in der die Menschenwürde bedroht ist, »haben wir die dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben und liebevoll jenes großartige Menschsein zu bewahren, das uns geschenkt ist und das in Christus in seiner ganzen Fülle offenbar wurde«. Er verweist darauf, dass der Mensch nicht auf seine Natur beschränkt ist und sich selbst übersteigen kann, »um in der Liebe vollendet zu werden«. Er schreibt: »Was den Menschen rettet, ist nicht gesteigerte Selbstständigkeit, sondern eine Beziehung, die befreit, eine Gemeinschaft, die verwandelt.« Und: »Die Zukunft eines Menschen ist nicht berechenbar. Sie ist seiner Freiheit anvertraut, die durch die unerschöpfliche Gnade Gottes erhoben wird, sowie den Beziehungen, die er pflegt.« Mit Blick auf das Bild von Babel und Jerusalem macht Papst Leo neben dem Einfluss der künstlichen Intelligenz noch andere Faktoren aus, die ein »modernes Babel« errichten: Machtpolitik, geopolitische Rivalitäten und eine Kultur der Macht, die Krieg wieder als legitimes Mittel ansieht. Währenddessen verharren die meisten Menschen in einer Art Wartestellung, so Leo, in der sie lediglich beobachten und darauf hoffen, dass alles gut werde. Dem stellt er die von Paul VI. eingeführte »Zivilisation der Liebe« entgegen: »Eine Gesellschaftsordnung, in der Gerechtigkeit und Nächstenliebe miteinander verflochten werden und die Liebe zum Ordnungsprinzip des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens wird.« Papst Leo will diese Vision wiederbeleben und weist darauf hin, dass wir alle daran mitarbeiten können. Uns gibt er fünf Ansätze mit, wie wir Verantwortung im Alltag und im öffentlichen Leben übernehmen können: Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit aufbauen, die Perspektive der Opfer einnehmen, einen gesunden Realismus pflegen sowie den Dialog wiederbeleben. »Eine moralischere KI nützt nichts, wenn diese Moral von wenigen bestimmt wird. Was wir brauchen, ist eine Politik, die präsenter ist, die in der Lage ist, dort zu bremsen, wo alles immer schneller wird, und die Räume zu schützen, in denen Gemeinschaften noch mitwirken und Fragen stellen können.« Maximilian Feigl

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