17 FRANZISKANER 2|2026 »In einer Demokratie müssen wir die Technologien beeinflussen können, die uns betreffen« Maximilian Feigl Inzwischen gibt es viele verschiedene Programme, die Formen von künstlicher Intelligenz (KI) nutzen. Manche von ihnen verbessern die medizinische Versorgung oder steigern die Produktivität von Unternehmen, andere sind nur Spielereien für die Freizeit, und wieder andere werden im Krieg eingesetzt oder zur Verbreitung von Unwahrheiten. Das zeigt: Künstliche Intelligenz – ganz gleich auf welcher technologischen Grundlage sie basiert und wie »intelligent« sie tatsächlich ist – wird unser aller Zukunft prägen. Im Interview erklärt die Ethikerin Prof. Dr. Jessica Heesen von der Universität Tübingen, wie Gesellschaft und Politik handeln müssen, um KI zu einer positiven Kraft zu gestalten. Die öffentliche Diskussion um künstliche Intelligenz konzentriert sich aktuell auf Regulierungen und Verbote – dabei war die Technologie einmal ein Versprechen einer besseren Zukunft. Was ist da passiert? Zunächst einmal muss man sagen, dass es kaum Sinn macht, von KI im Allgemeinen zu sprechen. Es geht immer um verschiedene KI-Anwendungen, die als jeweiliger Einzelfall diskutiert werden müssen. Im Moment steht vor allem die Auseinandersetzung mit KI in der Kommunikation im Mittelpunkt: Viele von uns benutzen sie in unserem Alltag, und auch Medienschaffende wie Journalistinnen und Journalisten sind fasziniert von den Möglichkeiten. Außerdem prägen problematische Anwendungen wie Nacktdarstellungen oder Deepfakes die aktuelle Debatte (Anm. d. Red.: »Deepfakes« sind manipulierte Bilder, Videos oder Tonaufnahmen, die täuschend echt wirken können.) Daneben gibt es aber viele andere Bereiche, über die nicht berichtet wird, weil hier alles funktioniert: Logistik, Verkehr, industrielle Produktion und Robotik zum Beispiel. Ein sehr großer Bereich ist auch KI in der Medizin. Hier konnten KI-Anwendungen der Diagnostik stark auf die Sprünge helfen, weil sie sehr gut im Erkennen von Mustern sind. Und gerade im Team mit Ärztinnen und Ärzten ist das wirklich sehr leistungsfähig. Aber das alles prägt eben nicht den Alltag der meisten Menschen. Und der Alltag wird sich noch weiter verändern? Mit Sicherheit. Ein Beispiel: In Zukunft soll es kein klassisches Smartphone mit unterschiedlichen Apps mehr geben. Stattdessen soll alles sprachgesteuert funktionieren, und ein einziger KI-Dienst hat alle verschiedenen Funktionen der Apps in sich integriert. Von der Wegbeschreibung über die Urlaubsplanung bis hin zum Schreiben einer E-Mail kann ich dann alles auf Zuruf erledigen. Auch die Art und Weise, wie ich mir Wissen erschließe, verändert sich durch KI-Sprachmodelle. Denn im Gespräch mit der KI kann ich immer wieder nachfragen, wie bei einem Privatlehrer. Ich bekomme die Inhalte aus dem Internet aus jeder Sprache übersetzt und für mich individuell zugeschnitten. Das ist besonders wertvoll, wenn ich etwa eine Lernschwäche habe. Aber natürlich kommen damit auch Probleme: Es können viele Täuschungen und Fehler entstehen. Auch die Anthropomorphisierung, also eine Vermenschlichung der KI-Anwendungen, ist eine mögliche Folge. Und die Anwendungen Prof. Dr. Jessica Heesen ist Leiterin der Forschungsgruppe Medienethik, Technikphilosophie & KI an der Universität Tübingen. Sie beschäftigt sich mit ethischen und philosophischen Debatten im Bereich Medien und Digitalisierung. Zu ihren Schwerpunktthemen gehören unter anderem Ethik der künstlichen Intelligenz und digitale Öffentlichkeiten. PROF. DR. JESSICA HEESEN © THILO SCHOCH
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