18 FRANZISKANER 2|2026 und damit auch die dahinterliegenden Cloud-Systeme wissen dadurch natürlich auch sehr viel über mich. Wie können wir also die positiven Folgen der KI genießen, ohne die möglichen negativen Konsequenzen befürchten zu müssen? Wir müssen immer die einzelnen Leistungen und Dienste, die wir durch künstliche Intelligenz verwirklicht sehen wollen, in den Blick nehmen. Und dann müssen wir unterscheiden: Handelt es sich zum Beispiel um etwas, das einen Infrastrukturcharakter hat, das also viele Menschen betrifft und dadurch großen Einfluss erhält. Eine solche KI-Anwendung muss dann öffentlich kontrolliert werden können. Und in einer Demokratie müssen wir selbst beeinflussen können, wie die Technologien gestaltet sind, die uns betreffen. In so einem Fall hilft es nicht, sich zum Beispiel auf einen US-amerikanischen Anbieter zu stützen, bei dem ich keinen Einfluss auf Dinge wie Ausgestaltung oder Datenschutz habe. Anders ist es in Sektoren, die bereits strengen Regeln unterworfen sind, wie etwa in der Medizin. Hier gibt es aufgrund der starken Regulierung bereits zahlreiche Prüfverfahren, die dafür sorgen, dass alles sicher funktioniert und auch immer wieder kontrolliert wird. Das Gleiche gilt beim Einsatz von künstlicher Intelligenz an der Börse oder in Autos. Es ist also ein gewisser Mythos, dass KI nicht reguliert wäre. Das hängt eben von den einzelnen Anwendungsbereichen ab. Tatsächlich gibt es aber noch Probleme bei der Regulierung von KI-Sprachmodellen. Dabei geht es um die zugrunde liegenden Daten ebenso wie auch die Art, wie KI mit diesen umgeht. Müssen wir uns neu überlegen, wie wir mit unseren Daten umgehen? Diese Diskussion gibt es schon lange, nicht zuletzt seit den Snowden- Enthüllungen 2013. Schon damals wurde klar, dass viele unserer Daten abfließen: an Geheimdienste, internationale Unternehmen, Plattformen und so weiter. Die Möglichkeiten der KI haben das Problem noch einmal verschärft und mit den Sprachmodellen einen neuen Höhepunkt erreicht. Wenn wir Anwendungen wie ChatGPT nutzen, sprechen wir wie mit einem Menschen und stellen Fragen. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass diese Chatverläufe genutzt werden, um die Modelle zu verbessern. Sie werden ausgewertet und letztendlich auch dazu genutzt, uns personalisierte Werbung zu zeigen. Jedes Mal, wenn wir ChatGPT benutzen, füttern wir also den Mutterkonzern OpenAI und helfen ihm dabei, seine Modelle zu verbessern. Das kann man als fair empfinden, man benutzt den Dienst ja auch mehr oder weniger gratis. Aber wir geben dabei sehr viele sensible Daten preis. Umso mehr, wenn ich die sogenannten AI Companions (Anm. d. Red.: »AI Companions« sind KI-gestützte Systeme, die in Gesprächen soziale Beziehungen oder emotionale Nähe zu Menschen simulieren) für intime Partnerschaften, seelsorgerische Gespräche oder psychotherapeutische Gespräche nutze. Hier müssen wir noch sehr viel stärker auf den Datenschutz achten. Durch generative KI, die etwa Bilder, Videos oder Musik erzeugt, stehen auch Rechte wie das am eigenen Bild zur Disposition. Was bedeutet das? In Dänemark ist gerade ein Gesetz auf dem Weg, das allen die Rechte an sämtlichen Abbildungen des eigenen Körpers und Nachahmungen der Stimme geben soll. Ohne Zustimmung dürfen keine KI- Reproduktionen der betreffenden Menschen erstellt werden. Und auch nach ihrem Tod darf das nicht passieren. Letztlich geht es hierbei um die Frage, ob man Menschen durch KI »klonen« kann. Rein technisch gesehen ist das machbar; solche Avatare existieren bereits. Daher gibt es auch in Deutschland Initiativen, die dies verbieten wollen. Ist das auch aus Ihrer Sicht etwas, das unbedingt reglementiert werden müsste? Ja, wir sollten unbedingt verhindern, dass künstliche Intelligenz Menschen »klonen« kann. Das Recht am eigenen Bild und an unserem eigenen Erscheinungsbild und unserer Stimme ist sehr wichtig. Daneben ist die Strukturierung öffentlicher Kommunikation etwas, das angegangen werden muss. Hier ist es wichtig, die richtige Balance zu finden: öffentliche Kommunikation und unabhängige Medien – Kernelemente der Demokratie – müssen frei bleiben. Gleichzeitig muss aber die Plattformökonomie reguliert werden, die der öffentlichen Kommunikation zurzeit Regeln gibt, die sich nicht unbedingt mit unseren demokratischen Regeln vereinbaren lassen. Künstliche Intelligenz strukturiert das alles sehr stark: Sie ist für die Moderation der Inhalte ebenso verantwortlich wie für die Anpassung Künstliche Intelligenz und … Ausbeutung Das Training von künstlicher Intelligenz erfordert immense Datensätze. Damit diese genutzt werden können, müssen sie zuerst aufbereitet werden. Diese Aufgabe übernehmen sogenannte »Clickworker« oder Daten-Annotatoren – Studien und Medienrecherchen zeigen, dass sie unter prekären Bedingungen arbeiten, oft für geringe Löhne und unter hohem Zeitdruck. »Von diesem KI-Prekariat profitieren am Ende milliardenschwere Unternehmen, auch in Deutschland«, heißt es etwa beim SWR. Doch auch nach der Entwicklung der Modelle werden noch Clickworker eingesetzt – denn hinter Versprechen wie »smart« oder »KI-gestützt« stecken manchmal schlicht Menschen, die etwa Bilder in Echtzeit auswerten oder Entscheidungen kontrollieren.
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