Liebe Leserin, lieber Leser, Sie finden wenig Beachtung in der patriarchalischen Geschichtsschreibung – die Frauen der Bibel. Und haben doch eine weitaus größere Bedeutung, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Zwischen Geschichten von Königen, Propheten und Kriegern werden sie leicht übersehen – und doch prägen sie entscheidend den Verlauf der biblischen Erzählung. Manche treten kraftvoll in den Vordergrund, andere wirken im Verborgenen, einige handeln mutig gegen alle gesellschaftlichen Erwartungen oder religiösen Vorschriften, andere halten unbeirrbar an ihrem Glauben fest. Gemeinsam zeigen sie ein breites Spektrum menschlicher Erfahrung: Stärke und Verletzlichkeit, Zweifel und Vertrauen, Widerstand und Hingabe. Diese Frauen stehen nicht nur für ihre persönlichen Schicksale. Sie verkörpern Fragen, die bis heute relevant sind: Wie behauptet man sich in einer Sommer 2026 | Der franziskanische Wegbegleiter in der Bibel Welt, die Grenzen setzt? Wie findet man die eigene Stimme? Wie kann Glaube Orientierung geben – gerade in Zeiten von Unsicherheit und Wandel? In ihren Geschichten spiegeln sich die Herausforderungen des Alltags wie die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Freiheit, Sinn und Frieden. In diese Ausgabe unseres FRANZISKANER stelle ich Ihnen drei Frauen vor, die zu jeweils unterschiedlichen Zeiten Unterschiedliches tun: Ester, die eine Intrige aufdeckt und ihr Volk dadurch rettet, Judit, deren Entschlossenheit Befreiung schenkt, und Schulammith, deren poetische Sprache uns Sehnsucht, Begehren und Liebe neu zu sehen lehrt. Ihre Geschichten sind eine Einladung, die Bibel als Sammlung lebendiger Erfahrungen zu lesen, die bis in unsere Zeit wirken. Ihr Andreas Brands OFM Frauen schulammith und maria : © fina art images – picture-alliance.com
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