Franziskaner - Sommer 2025

Ester 7,1–4a Der König und Haman kamen zu dem Festmahl, das Königin Ester gab, und der König sagte auch am zweiten Tag zu Ester, als sie beim Wein saßen: Was hast du für eine Bitte, Königin Ester? Sie wird dir erfüllt. Was hast du für einen Wunsch? Selbst wenn es die Hälfte des Reiches wäre - man wird es dir geben. Königin Ester antwortete: Wenn ich beim König Wohlwollen gefunden habe und wenn es ihm gefällt, dann möge mir und meinem Volk das Leben geschenkt werden. Das ist meine Bitte und mein Wunsch. Denn man hat mich und mein Volk verkauft, um uns auszurotten, hinzumorden und zu vernichten. Gott, Verborgener, wenn Angst mein Herz umschließt und Zweifel meine Schritte hemmen, dann stelle mich an den Ort, an dem ich gebraucht werde. Schenke mir Esters Mut zu reden, wenn Schweigen bequem wäre, zu handeln, wenn Zögern leichter scheint, und zu vertrauen, wenn ich den Ausgang nicht kenne. Lass mich erkennen, dass auch mein Leben für eine Zeit wie diese bestimmt ist. Amen. Sommer 2026 | Der franziskanische Wegbegleiter Im 5. Jahrhundert vor Christus wurde Ester die Frau des Perserkönig Artaxerxes. Durch einen geschickten Schachzug gelang es ihr, eine Judenverfolgung im Perserreich zu verhindern. Zum Gedenken an diesen Tag feiern Juden bis heute das dem Karneval ähnliche Purimfest. Von diesen Ereignissen erzählt das Buch Esther, das man als »historischen Roman« bezeichnen kann. Die Handlung des Buches beginnt am Königshof Persiens in Susa. König Artaxerxes lässt nach der schönsten Frau in seinem Reich suchen und findet Ester. Ester fällt zunächst nicht auf. Als junges jüdisches Mädchen wächst sie fern der Heimat in der persischen Diaspora auf. Durch eine unerwartete Wendung wird sie Königin am Hofe des mächtigen Perserkönigs Xerxes. Hinter Gold, Prunk und höfischer Pracht bleibt sie dennoch eine Fremde, eine Frau mit einem Geheimnis: ihrer jüdischen Herkunft. Als der ehrgeizige Haman die Vernichtung aller Juden im Reich plant, gerät Ester in einen inneren Kampf: Soll sie schweigen und sich retten – oder alles wagen, um ihr Volk zu schützen? Im Mittelpunkt ihrer Geschichte steht jener entscheidende Augenblick, in dem Angst in Verantwortung verwandelt wird. »Wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese Königin geworden bist?«, fragt Mordechai, ihr Ziehvater. Ester fastet, betet und tritt ungerufen vor den König – ein Schritt, der sie das Leben kosten könnte. Doch ihr Mut verändert Geschichte. Mit Weisheit, Klugheit und tiefer Entschlossenheit deckt sie Hamans Intrige auf und rettet ihr Volk vor dem Untergang. Ester zeigt: Gott wirkt im Verborgenen, er stellt uns Menschen in eine jeweilige Zeit, in der es beherzt zu handeln gilt. ESTER ester : © akg images – picture-alliance.com Mut im Schatten des Throns

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