Franziskaner - Sommer 2025

27 FRANZISKANER 2|2026 Enno Heidtmann ist Journalist, Autor und Experte für die journalistische Arbeit in gefährlichen Lagen. Seine berufliche Laufbahn brachte ihn für Interviews und Dokumentationen unter anderem nach Russland, Afghanistan, in die Vereinigten Arabischen Emirate, in den Libanon, nach Syrien, den Irak und nach Zentralafrika. Arbeit von Journalistinnen und Journalisten einsetzt, veröffentlicht jährlich Zahlen hierzu. Allein im Jahr 2025 wurden 67 Journalistinnen und Journalisten getötet, über 500 kamen in Ausübung ihrer Arbeit in Haft. Nahezu die Hälfte der Getöteten kam in Gaza durch teils gezielte Angriffe der israelischen Streitkräfte ums Leben. Und in der Ukraine nimmt die russische Armee weiterhin gezielt ausländische wie ukrainische Reporterinnen und Reporter ins Visier. Auch im Sudan ist Berichterstattung zu einer lebensgefährlichen Arbeit geworden, und in Mexiko haben kriminelle Organisationen neun Reporterinnen und Reporter ermordet. In Lateinamerika wurde fast ein Viertel (24 Prozent) der weltweit ermordeten Journalistinnen und Journalisten gezählt. Was können Journalistinnen und Journalisten also tun, um sich auf eine Berichterstattung in einem solchen Umfeld vorzubereiten? Hier muss zunächst einmal differenziert werden: Zum einen gibt es die großen Agenturen, Sender und Verlage mit den finanziellen und technischen Grundlagen, um sich umfangreich um ihre Angestellten zu kümmern. Daneben stehen Reporterinnen und Reporter, die auf eigene Faust reisen und berichten. Diese freien Journalistinnen und Journalisten besitzen in der Regel ein hervorragendes Netzwerk, ihnen fehlen aber ausreichende finanzielle Mittel. Daher müssen verschiedene Aspekte betrachtet werden. Wie zum Beispiel die gesundheitliche Prävention. Notwendige Impfungen und eine umfassende persönliche Erste-­ Hilfe-Ausstattung sind für meine journalistischen Reisen immer sehr wichtig gewesen. Das erwähnte Netzwerk vor Ort in einem Krisen- oder Kriegsgebiet ist ebenfalls von großer Wichtigkeit, denn hier geht es um ortskundige Menschen. Diese sogenannten Stringer und Fixer sind von entscheidender Wichtigkeit, ohne sie ist eine koordinierte Berichterstattung nahezu unmöglich. Es handelt sich hier um einheimische Personen, die gegen Bezahlung ausländische Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit unterstützen. Das kann der Transport von A nach B sein, aber auch die Akquise von Interviews und im Idealfall auch gleichzeitig die Unterstützung bei der sprachlichen Barriere. Hier muss aber schon im Vorfeld eine entsprechende Vertrauensbasis bestehen. Diese entsteht in der Regel durch Empfehlungen der Kolleginnen und Kollegen untereinander, die jene Unterstützer in diesen Ländern und Gebieten weiterempfehlen, die sich bei der journalistischen Arbeit bewährt haben. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich berichten, dass es zu Beginn Peschmerga bei einer militärischen Demonstration im Irak Enno Heidtmann bei kurdischen Kämpfern im Norden des Iraks Auf der Ladefläche eines Pick-ups auf dem Weg zu einem Ölfeld im irakischen Norden. Dieses versuchte zuvor der IS zu erobern. ladefläche und kurdische kämpfer © ashti nerway | peschmerga © enno heidtmann

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