28 FRANZISKANER 2|2026 einer Zusammenarbeit nie leicht einzuschätzen ist, inwiefern es zu einem Erfolg bei der Recherche und Berichterstattung kommen würde. Im Libanon unterstützte mich François bei all meinen Reisen. Er wurde mir durch eine deutsch-libanesische Freundin empfohlen. In seinem weißen Taxi konnte ich zunächst sehr unauffällig zu den Recherchen kommen. Er übersetzte meine Fragen vom Englischen ins Arabische und beriet mich jeden Tag bei meiner Arbeit, welche Bekleidung zum Beispiel empfehlenswert war. Aus mehreren Jahren Zusammenarbeit wurde letztlich auch eine sehr vertrauensvolle Freundschaft. Anders war es im Irak. Hier wurde mir ein Mann vom Geheimdienst an die Seite gestellt, der seine dienstliche Macht deutlich machte, indem er mich und mein Team oft mehrere Tage warten ließ und nicht zum vereinbarten Zeitpunkt verabredete Kontakte herstellte. Diese Art der Zusammenarbeit, auf externe Kräfte angewiesen zu sein, kann einen herausfordernden Charakter entwickeln. Ein Blick in die Geschichte der Krisen- und Kriegsberichterstattung zeigt, dass Reporter schon sehr früh an der Seite von Soldaten standen und über einen Konflikt berichtet haben. Im Laufe der Zeit haben sich aber die Rahmenbedingungen verändert. Von immer größerer Bedeutung wurde dabei die besondere Arbeitsweise, die man heute Embedded Journalism nennt, also journalistische Arbeit in enger Einbindung und unter Schutz militärischer Einheiten. Auf sie wird zurückgegriffen, wenn es richtig kritisch wird und die Journalistin oder der Journalist persönlichen Schutz durch Militär oder Polizei benötigen. Seine Anfänge gehen laut dem australischen Journalisten Phillip Knightley auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Nach historischen Zeugnissen sollen bereits damals sechs britische Korrespondenten embedded gearbeitet haben und dafür sogar geadelt worden sein. Einen großen Schritt machte der Embedded Journalism dann in den 1960er-Jahren mit dem Krieg in Vietnam. Zum ersten Mal berichteten Journalisten u. a. aus dem Schutz der Soldaten heraus und brachten den Krieg so nach Hause in die Wohnzimmer. Dies geschah noch unorganisiert und spontan, denn das Berichten aus der Mitte der kämpfenden Truppe heraus war für Journalisten noch unüblich. Darüber hinaus unterlagen die Journalisten noch der Selbstzensur des Zweiten Weltkrieges. Während folgender Konflikte professionalisierte sich dann der Einsatz von Journalistinnen und Journalisten aus der Mitte militärischer Einsätze heraus immer weiter. So war es etwa auch einigen ausgewählten Journalisten während des Bosnienkriegs in den 1990er-Jahren gestattet, sich für einen beschränkten Zeitraum mit Bodentruppen im Krisengebiet zu bewegen. Auch die Bundeswehr gibt allen akkreditierten Journalistinnen und Journalisten Zugang zur Truppe im Einsatz und gewährt ihnen gleichzeitig Schutz. Hierfür ist das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam zuständig und gibt auch Auskunft über die Akkreditierung und Verfahrensweisen bei der journalistischen Arbeit. Zudem muss auf die persönlichen und publizistischen Risiken bei der Berichterstattung hingewiesen werden. Hier können verschiedene Aspekte dazu beitragen, dass eine Berichterstattung nicht mehr stattfindet, behindert oder sogar moralisch infrage gestellt wird. Etwa wenn das Militär, welches die Berichterstattung zugesagt hat, aus taktischen Gründen eine Unterstützung absagen muss. An dieser Stelle ist dann die Journalistin oder der Journalist auf sich gestellt, und man muss entscheiden, ob man sich selbst für einen Beitrag schutzlos in Gefahr begibt. Ein anderes Problem: Das US-Militär verlangte im Irak-Krieg 2003 von Berichtenden, eine militärische Uniform zu tragen. Die Begründung lautete, dass die Soldaten durch die zivile Bekleidung der Reporterinnen und Reporter sichtbar gemacht würden. Das war für viele von ihnen ein Gewissenskonflikt, denn sie waren keine Kombattanten, und eine militärische Bekleidung bedeutete einen moralischen Konflikt mit der freien Berichterstattung. Nicht selten kommt es vor, dass das Militär und die entsprechenden Presseoffiziere aus »taktischen« oder »strategischen« Gründen keine Berichterstattung zulassen. So geschehen etwa im Gaza-Krieg 2025. Es gab keinen offiziellen Zugang für internationale Journalistinnen und Journalisten, und eine unabhängige Berichterstattung war nahezu unmöglich. Zudem macht das Militär grundsätzlich keine aktuellen Mitteilungen zu bestimmten Strategien öffentlich – zum Schutz der eigenen Soldaten und Soldatinnen, die sich in einem Einsatz befinden. Möglich wäre es, in den sozialen Medien nach Anhaltspunkten zu suchen, um an mehr Informationen zu gelangen. Gerade junge Soldatinnen und Soldaten nutzen verstärkt Medien wie Instagram oder Tiktok. Allerdings sind das dann auch nur Momentaufnahmen, die zu keiner ausgiebigen und vor allem gesicherten Berichterstattung führen. Fake News sind an dieser Stelle für Journalistinnen und Journalisten immer ein Punkt, an dem die Recherche nicht aufhören darf. Wie valide sind die Bilder, Statements oder Videos? Wann wurden sie aus welchem Umfeld gemacht? Die Sorgfaltspflicht eines jeden Journalisten und einer jeden Journalistin ist hier nach wie vor gefordert. Die Berichterstattung aus einem unsicheren Umfeld, sei es eine Umweltkatastrophe, ein Krisen- oder Kriegsgebiet, stellt alle Medienvertreter vor neue und auch nicht zuletzt vor große Herausforderungen: Die medizinische Grundversorgung bei einer möglichen Verletzung oder Erkrankung, der erforderliche Zugang zum Internet, um Daten und Informationen übertragen zu können, notwendige Übersetzer und ortskundige Unterstützungen. Ein Beitrag im TV oder Radio ist mitunter nur wenige Minuten lang, doch benötigt er viel Arbeit und Mühe, um dem Rezipienten am anderen Ende der Welt die Geschichten der Menschen zu erzählen. Leider kann es dabei auch vorkommen, dass ein Beitrag, in den man viel Zeit investiert hat, am Ende gar nicht veröffentlicht wird.
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