11 FRANZISKANER 3|2026 1 C = Thomas von Celano, Erste Lebensbeschreibung des hl. Franziskus 2 C = Thomas von Celano, Zweite Lebensbeschreibung des hl. Franziskus 3 C = Thomas von Celano, Abhandlung über die Wunder des hl. Franziskus Die vor rund 4.500 Jahren errichtete Cheopspyramide in Giseh diente als Grabmal des Pharaos Cheops. Sie war Teil einer weitläufigen Grabanlage und sollte dem Herrscher den Übergang ins Jenseits ermöglichen. ein Linnen für sein Antlitz, ein kleines Kopfkissen und jenes Gericht, das sich der Heilige gewünscht hatte, brachte sie mit« (3 C 37–38). Dass Franziskus sterbend auch noch an Mandelkuchen dachte, um die er Jakaba in seinen Zeilen bat, korrigiert das Bild des strengen Asketen: Der reife Poverello kann herzhaft genießen und seinem Leib Gutes tun! Der letzte Wunsch an die Brüder zeichnet ein berührendes Bild: »›Wenn ihr seht, dass es mit mir zu Ende geht, so legt mich nackt (...) auf den Boden und lasst mich, wenn ich verschieden bin, so lange so liegen, wie man braucht, um gemächlich eine Meile weit gehen zu können.‹ – So kam seine Stunde und, da sich Christi Geheimnisse alle an ihm erfüllt hatten, entschwebte er glückselig zu Gott« (2 C 217). Dass der Sterbende dabei an den Kirchenvater Hieronymus und sein Motiv des »nackt dem nackten Christus Folgen« dachte, ist wenig wahrscheinlich. Er wollte die Welt schlicht so verlassen, wie er in sie gelangt war: nackt! Der erste Tod, den der Sonnengesang als Schwester anspricht, wirkt als Hebamme bei der Geburt ins ewige Leben. Ihr darf sich jeder anvertrauen. Zu fürchten ist nur der »zweite Tod«: jener der Seele, wenn der Mensch am Ziel sich von Gottes Nähe und der großen Gemeinschaft der Vollendeten ausschließt, wie es der ältere Bruder im Gleichnis des verlorenen Sohnes tut. Franziskus ermutigt uns, eine eigene Antwort zu finden auf acht Fragen. Ortswahl: Wo möchte ich mein Leben vollenden? Ambiente: Welche Stimmung wünsche ich? Musik? Rituale: Was wäre stärkend und verbindend? Menschen: Wen möchte ich um mich haben? Genuss: Was möchte ich nochmals genießen? Sorge: Was wünsche ich an Pflege? Kleid: Womit möchte ich am Ziel eingehüllt sein? Tod: Welchen Namen gebe ich ihm oder ihr? – Das ist mehr als das, was eine Patientenverfügung vorsieht! Dr. Niklaus Kuster ist Kapuziner und lebt in Rapperswil am Zürichsee. Neben seiner Tätigkeit als reisender Bildungsarbeiter und Buchautor lehrt er franziskanische Spiritualität und Spiritualitätsgeschichte an der Universität Luzern sowie den Ordenshochschulen in Münster und Madrid. pyramiden © crystal yz – unsplash.com
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