Franziskaner - Herbst 2026

13 FRANZISKANER 3|2026 Verena Maria Kitz ist Pastoralreferentin, Geistliche Begleiterin/Trauerbegleiterin sowie Leiterin des Fachzentrums Trauerseelsorge im Bistum Limburg. Das klingt nicht unbedingt nach dem, was man unter Trauer versteht. Viele Trauernde erzählen uns, dass ihr Umfeld sehr schnell nach der Beisetzung erwartet, dass sie wieder »funktionieren«, »nach vorne schauen«. So wird die Trauer sehr stark zur Privatsache, und das birgt die Gefahr der Überforderung. Nicht wenige kommen in die Trauerbegleitung mit der Frage: Wie geht denn eigentlich trauern? Trauer ist, so hat es eine Trauerforscherin formuliert, eine »natürliche Reaktion auf einen bedeutenden Verlust«. Darin steckt die Klarstellung: Trauer ist keine Krankheit, nicht grundsätzlich therapiebedürftig, sondern Menschen können trauern – und lernen so vom Anfang des Lebens an, mit Verlusten umzugehen. Denn die gehören zum Leben dazu. Trauer ist also eine Reaktion auf einen Verlust – und damit wichtig, um Wege zu finden, mit diesem Verlust leben zu lernen. Wie die Wege aussehen, ist höchst individuell, und eine Trauerbegleitung kann helfen, den eigenen Weg in der Trauer zu finden. Höchst individuell sind inzwischen ja auch die Wünsche zur Bestattung. Welche Veränderungen und Wünsche nehmen Sie hier wahr? Sehr klar ist der Trend zur Feuerbestattung, der meistgewählten Bestattungsform. Ein klassisches großes Familiengrab ist zur Ausnahme geworden. Das hat vielfältige Gründe: Viele leben längst nicht mehr dort, wo sie aufgewachsen sind, und können sich kaum um eine große Grabstätte kümmern – abgesehen von wenigen Besuchen im Jahr. Zugleich wünschen sich viele eine würdevolle, auch ästhetisch ansprechende Form. Dem kommen Begräbniskirchen sehr entgegen, die oft architektonisch sehr qualitativ gestaltet sind. Zudem halten sie in der Regel eine gewisse Form von Begleitangeboten für Trauernde vor und bieten damit neue gemeinschaftliche Wege der Trauer. Andere suchen die Nähe zur Natur in Friedwäldern oder Ruheforsten. Diese Bestattungsorte sind zwar sehr schön, für wenig mobile Menschen aber oft schwer erreichbar. Insgesamt zeigt sich auch hier der Wunsch nach einer möglichst individuell passenden Grabstätte und auch Trauerfeier, in der die Würdigung der Biografie der verstorbenen Person für die Angehörigen einen hohen Stellenwert hat. Das neue Bestattungsrecht von Rheinland-Pfalz hat diese Vielfalt von Bestattungsformen noch deutlich erweitert mit Flussbestattungen oder sogar der Möglichkeit, die Urne eines Angehörigen mit nach Hause zu nehmen. An diese sogenannten neuen Bestattungsformen gibt es eine Reihe von Fragen, auch aus christlicher Sicht, gerade was die anonymen Formen ohne persönliche Grabstätte angeht. Stoßen diese individuellen Wünsche nicht auch an Grenzen? In der Trauerbegleitung erzählen Menschen oft, dass sie für sich selbst erst nach dem Tod ihres geliebten Menschen entdeckt haben, wie wichtig eine Grabstätte für sie ist: als Ort für ihre Trauer oder auch der Kommunikation mit der verstorbenen Person. Das kann natürlich auch an anderen Orten geschehen, aber die Chance dieses besonderen Ortes würde ich allen wünschen. Von daher ist es wichtig, dass der Kostendruck nicht dazu führt, dass Menschen mit geringerem Einkommen sich keine Beisetzung mehr leisten können. Es darf nicht dazu kommen, dass sie allein aus finanziellen Gründen eine Bestattungsform wählen müssen, bei der es keinen persönlichen Ort gibt. Das gilt etwa für das Ausstreuen der Asche.

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