14 FRANZISKANER 3|2026 Sie hatten erwähnt, dass vor allem die gemeinschaftlichen Trauerriten verschwinden und hoch individualisierte Formen ihren Platz einnehmen. Es gibt vielfältige, persönlich gestaltete Rituale. Eine Mutter, deren Sohn als Jugendlicher an einer Krebserkrankung verstorben ist, hat erzählt, dass sie die Freunde ihres Sohnes an seinem Geburtstag eingeladen hat, es gab sein Lieblingsessen, und sie haben erzählt. Und in den Folgejahren haben die Freunde sich genau diese Treffen weiter gewünscht. Manche Trauernde schreiben ihre Erinnerungen auf, sammeln die digitalen Nachrichten, Lieblings-Playlists, Videos und Fotos mit und von den Verstorbenen oder lassen sich zum Gedenken ein Tattoo mit persönlichen Motiven stechen. Im digitalen Raum gibt es vielfältige Formen des Gedenkens und Erinnerns mit der Gestaltung von virtuellen Trauerräumen oder Begleitung durch Trauer- Apps. Und auch ganz traditionelle, »analoge« Formen sind wichtig: sich mit anderen Trauernden zu treffen, über ihre Erfahrungen in der Trauer zu sprechen und auch gemeinsame, schlichte Formen des Gedenkens und Betens oder Gestaltens für die Verstorbenen zu praktizieren. In der virtuellen Welt werden auch sogenannte Avatare, also digitale Verkörperungen der Verstorbenen, beliebter. Verhindert dies nicht, Verstorbene wirklich loszulassen? Aus der Trauerforschung wissen wir noch zu wenig, wie sich diese Avatare wirklich auf die Trauer um eine verstorbene Person auswirken. Ich habe von manchen gehört, die es vor allem für sich als wichtige Möglichkeit sahen, die Erinnerung an ihre Toten zu bewahren. Die Sorge, so vieles zu vergessen, treibt ja viele Trauernde um. Zugleich ist es sicher erschwerend für den Abschied, wenn mir die verstorbene Person scheinbar lebendig und interaktiv im digitalen Raum begegnet. Wie können wir im Alltag »abschiedlich leben« – also mit dem Bewusstsein, dass das Leben endlich ist – und uns auf unser Sterben und den Tod anderer vorbereiten? Es ist gut, sich mit dem eigenen Sterben und Tod zu befassen – denn dass er kommen wird, ist todsicher, nur der Zeitpunkt eben nicht. Aber man/frau sollte ein gesundes Maß finden und nicht pausenlos mit dem Tod beschäftigt sein. Einige wichtige Klärungen helfen natürlich allen Beteiligten, zum Beispiel eine Patientenverfügung oder Regelungen des eigenen digitalen Nachlasses. Auch ein Gespräch mit nahen Menschen über Wünsche zur eigenen Beisetzung können entlasten. Im Alltäglichen gefällt mir das »Gebet der liebenden Aufmerksamkeit« sehr gut als eine Form, abschiedlich zu leben. Ich schaue mir zum Beispiel am Abend noch einmal meinen Tag an, bringe alles vor Gott, dankend und bittend – entdecke, wenn ich etwas mit anderen oder Gott noch klären möchte, und vermeide damit eher, dass sich innere Lasten anhäufen. Die können am Ende des Lebens sehr belastend sein. Welche Angebote halten Sie für trauernde Menschen bereit? Und können Sie konkrete Tipps geben? In unserer Einrichtung gibt es ein breit gefächertes Programm für Menschen in Trauer, ganz unabhängig von Konfession oder Religion. Dazu zählt die Möglichkeit persönlicher Gespräche zur Trauerbegleitung oder psychologische Beratung. Wir bieten aber auch gemeinschaftliche Aktivitäten, wie zum Beispiel ein Trauercafé oder Möglichkeiten zu gemeinsamen Erfahrungen in der Natur beim Wandern. Und natürlich zählen auch gemeinsame Gottesdienste zu unseren Angeboten. Angesichts der vielfach benannten Individualität unserer Zeit bin ich aber vorsichtig mit allgemeinen Tipps. Mir persönlich hilft, wenn ich mit anderen darüber sprechen kann, wie sie mit diesen Fragen umgehen. Daraus können sich stärkende Ideen, durchaus unterschiedlich akzentuiert, entwickeln. Großmogul Shah Jahan ließ das Tadsch Mahal zum Gedenken für seine im Jahre 1631 verstorbene Frau Mumtaz Mahal errichten. Es verschmilzt persische Architektur mit indischen Elementen und zählt zu den herausragenden Werken der indo-islamischen Baukunst. Interview: Stefan Federbusch OFM, Bearbeitung: Maximilian Feigl tadsch mahal © hanan edwards – unsplash.com
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