Franziskaner - Herbst 2026

16 FRANZISKANER 3|2026 aber bis heute Wert darauf, dass die Asche bestattet und nicht verstreut wird. Aufgrund des Glaubens an die leibliche Auferstehung hatten die christlichen Kirchen eine Kremierung lange abgelehnt. Mit einem Erlass im Jahr 786 verbot Kaiser Karl der Große die Verbrennung von Toten und führte die Erdbestattung verpflichtend ein. In der modernen Neuzeit fanden die ersten Feuerbestattungen in Deutschland im Jahr 1874 in Breslau und in Dresden statt. Am Krematorium in München findet sich eine Tafel, auf der die erste Feuerbestattung für den 28. November 1912 vermerkt ist. Mit der zunehmenden Urnenbestattung geht die Gestaltung eines Grabsteins verloren, der so etwas ist wie eine kleine Visitenkarte. Wurden früher als Ausdruck christlichen Glaubens Symbole gewählt wie Kreuze, Alpha und Omega, betende Hände, Christus- oder Marienfiguren, so zeugen heute die bildlichen Darstellungen nicht selten von den Hobbys der Verstorbenen: ein Fußball, ein Musikinstrument, ein Buch, ein Tier. Biblische Verse mit der Verheißung der Auferstehung sind weltlichen Sprüchen gewichen. In Deutschland sind die Bundesländer für das Friedhofswesen zuständig, sodass es aktuell unterschiedliche Regelungen gibt, was beispielsweise den Friedhofszwang angeht – also die Pflicht zur Beisetzung auf offiziellen Friedhöfen. Da für Protestanten das Grab den Ort heiligt und nicht umgekehrt, ist in protestantisch geprägten Gegenden ein schnellerer Wandel hin zur Auflösung des Friedhofszwangs zu beobachten. Als am 1. September 2003 Nordrhein-Westfalen in einem neuen Bestattungsgesetz diesen aufhob, war der Protest noch groß. Bei dem neuen Friedhofsgesetz von Rheinland-Pfalz (2025) fiel der Widerspruch dann schon deutlich geringer aus. Auch dieses ermöglicht neue Formen der Bestattung, wie das Ausbringen der Asche, die Flussbestattung, die Aufbewahrung zu Hause oder die würdevolle Weiterverarbeitung von Teilen der Asche. Von kirchlicher Seite wird hier vor allem die Herabsetzung der Mindestruhefrist für Urnenbeisetzungen kritisiert, sie wurde von 15 auf nur noch fünf Jahre verkürzt. Auch wird gewünscht, dass der Name als Zeichen für die Einmaligkeit und Würde der verstorbenen Person über den Tod hinaus an der Grabstelle erkennbar bleibt und eine gottesdienstliche Feier zum Begräbnis auch dann stattfinden kann, wenn eine neue Bestattungsform außerhalb des Friedhofs gewählt wird. Die neuen Bestattungsformen selbst sind hingegen nicht mehr Gegenstand der Kritik. Eine alternative Bestattungskultur wurde unter dem Begriff »Friedwald« bekannt. 1999 erhielt der Schweizer Ueli Sauter die Genehmigung zu einem Bestattungswald. Die Totenasche wird dabei unter Bäumen beigesetzt. Während sie in der Schweiz am Baum verstreut wird, muss sie in Deutschland und Österreich Die Urnengrabanlage »Ruhen inmitten der Wogen« auf Borkum steht für den Trend in der christlichen Bestattungskultur weg von der lange üblichen Erdbestattung im Sarg hin zu Urnenbeisetzungen in naturnahen Flächen Die Gitarre auf dem Grab des Musikers Peter Horton auf dem Münchner Ostfriedhof steht exemplarisch für eine individualisierte Grabgestaltung borkum und gitarrengrab © stefan federbusch ofm

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