Franziskaner - Herbst 2026

Apostelgeschichte 9,36–43 In Joppe lebte eine Jüngerin namens Tabita, das heißt übersetzt: Dorkas - Gazelle -. Sie tat viele gute Taten und gab reichlich Almosen. Es geschah aber: In jenen Tagen wurde sie krank und starb. Man wusch sie und bahrte sie im Obergemach auf. Weil aber Lydda nahe bei Joppe liegt und die Jünger hörten, dass Petrus dort war, schickten sie zwei Männer zu ihm und ließen ihn bitten: Komm zu uns, zögere nicht! Da stand Petrus auf und ging mit ihnen. Als er ankam, führten sie ihn in das Obergemach hinauf; alle Witwen traten zu ihm, sie weinten und zeigten ihm die Röcke und Mäntel, die Dorkas gemacht hatte, als sie noch bei ihnen war. Petrus aber schickte alle hinaus, kniete nieder und betete. Dann wandte er sich zu dem Leichnam und sagte: Tabita, steh auf! Da öffnete sie ihre Augen, sah Petrus an und setzte sich auf. Er gab ihr die Hand und ließ sie aufstehen; dann rief er die Heiligen und die Witwen und zeigte ihnen, dass sie wieder lebte. Der Schneiderberuf ist heute nicht mehr gefragt – maßgeschneiderte Kleidung ist einfach zu teuer. Man trägt Markenklamotten; die Werbung gibt vor, was in ist oder out; jede Saison hat ihre Farbe, und der Mensch richtet sich danach; Sachen werden von der Stange gekauft. Dabei, und das wussten die Menschen der damaligen Zeit ebenso: Kleider machen Leute. Tabita – Tabea, auch Dorkas genannt – war eine ausgezeichnete Schneiderin. Kleidermachen war ihr Beruf, so war sie bei den Menschen ihrer Umgebung bekannt. Und noch dazu: Sie tat viele gute Werke und gab Almosen. Das heißt, ihre Sorge galt nicht nur dem äußeren Anschein der Menschen, die sie bekleidete, sondern sie hat sich auch um das Wohl und Wehe der Menschen gekümmert und gesorgt. Die Erläuterung des Namens »Gazelle« mag ein Bild sein für ihre Gewandtheit im Umgang mit Menschen und im Beruf: leichtfüßig, geschwind, lebensfroh, beschwingt. Von ihr wird nicht mehr erzählt. Nur kurz: Sie wurde krank und starb. Punkt. Die Leute weinten und zeigten damit ihre Anteilnahme. In ihren Händen hielten sie die Gewänder, die Tabita geschneidert hatte – durchwirkt mit Liebe, Aufmerksamkeit und Wohlwollen. Es entsteht das Bild einer Frau, die im Leben stand, geschätzt wurde, eine besondere Gabe hatte und nicht isoliert, sondern in Verbindung und Verbundenheit mit den Menschen ihrer Zeit lebte. Von Tabita ist kein einziges Wort überliefert. Erzählt wird die Geschichte einer Frau, die einen Mantel näht und eine Träne trocknet oder Zeit verschenkt – und damit mitwebt am Gewand der Menschlichkeit. Die Auferweckung durch Petrus, durch die die Geschichte eine österliche Wendung erfährt, knüpft an die Überlieferung der Auferweckung des jungen Mädchens durch Jesus an, der sie mit den Worten anspricht: Talita kum – Mädchen, ich sage dir, steh auf. Du, Gott des Alltags, segne unsere Hände, damit unserer Hände Werk Menschen erfreut. Du, Gott des Alltags, segne unsere Schritte, damit sie den Weg zum anderen finden Du, Gott des Lebens, lass uns durch die empfangene Gabe des Lebens Freude weiterschenken. Amen. TABITA tabita © wikimedia.org Die Heilige des Alltags

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