Franziskaner - Herbst 2026

3 FRANZISKANER 3|2026 Schwester Tod Sterben und Tod gehören zu den Themen, über die wir meist erst sprechen, wenn sie uns im persönlichen Umfeld einholen. Dabei begleitet uns die eigene Endlichkeit von Beginn unseres Lebens an. Martin Heidegger hat diese Realität in die berühmte Formel gefasst, das menschliche Dasein sei ein »Sein zum Tode«. Was zunächst düster klingt, eröffnet eine überraschende Perspektive: Gerade weil unser Leben endlich ist, gewinnt jeder Tag an Gewicht, jede Entscheidung an Bedeutung, hat jede Begegnung ihren unverwechselbaren Wert. Als Kaplan in Euskirchen durfte ich über Jahre hinweg Woche für Woche Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten. Manche Freunde konnten kaum verstehen, dass ich Beerdigungen gerne gehalten habe. Und doch war es so. Kaum ein anderer seelsorglicher Dienst hat mich so erfüllt. Mitten in Trauer und Abschied geschah etwas zutiefst Menschliches: Erinnerungen wurden geteilt, Dankbarkeit ausgesprochen, Hoffnung neu gewagt. Der Tod zeigte sich als Ernstfall des Lebens – und zugleich als Ort, an dem das Wesentliche aufleuchtet. Franz von Assisi geht noch einen Schritt weiter. Wer das Leben als Geschenk empfängt, kann auch seine Endlichkeit annehmen. Deshalb nennt er im Sonnengesang den Tod »sora morte corporale«, Schwester leiblicher Tod. Er dämonisiert den Tod nicht, sondern nimmt ihn als Teil der Schöpfung ernst. Wer sich allen Geschöpfen geschwisterlich verbunden weiß, braucht auch dem Tod nicht mit Angst zu begegnen. In diesem Jahr feiern wir den 800. Jahrestag des Transitus des heiligen Franziskus – seines Hinübergangs in das Leben bei Gott. Bis heute prägt die Hoffnung auf die Auferstehung den christlichen Umgang mit Sterben und Tod. Nicht zufällig ist in vielen Todesanzeigen vom »Hinübergehen« die Rede. Dahinter steht die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Gerade darin zeigt sich christliche Lebenskunst: Wer den Tod nicht aus seinem Leben verdrängt, lebt bewusster und hofft tiefer. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und einen lebensfrohen, bunten Herbst. Br. Markus Fuhrmann OFM (Provinzialminister) frau ©.alan morales – unsplash.com

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