4 FRANZISKANER 3|2026 Das kleine Assisi im Rheingau Abschied von Marienthal »Gott liebt dich«, so die Zusage per entsprechend geschnittenen Heckenpflanzen am Wallfahrtsort Marienthal. Dazu ein Tau-Kreuz, das franziskanische Segenszeichen. Seit 152 Jahren verkünden die Franziskaner diese frohe Botschaft, über alle schwierigen Zeiten wie Kulturkampf, Weltkriege und eine zunehmende Säkularisation hinweg. Am 15. August 2026 hieß es nun aber Abschied nehmen – für die sieben Brüder vor Ort, aber auch für die Deutsche Franziskanerprovinz. Dazu wurde bewusst der Festtag Mariä Himmelfahrt gewählt, da Marienthal mit dem Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter seit über 500 Jahren ein Marienwallfahrtsort ist. Zunächst zum Bistum Mainz gehörend, wurde er 1827 Teil des neu gegründeten Bistums Limburg. 1873 kamen die Franziskaner nach Marienthal. Die Brüder erfüllten vor Ort eine doppelte Aufgabe: Sie betreuten zum einen die Wallfahrtspilger mit Liturgie und Beichtdienst, zum anderen empfingen sie Gäste zum Mitleben. Der Abschied von Marienthal wurde notwendig, weil der Ordensgemeinschaft inzwischen das nötige Personal für den Erhalt des Klosters fehlt. Zum Festakt zeigte sich nicht nur die Sonne, auch zahlreiche Geistliche, Politikerinnen und Politiker sowie Hunderte Menschen aus der Region nahmen teil. Hauptzelebrant war Weihbischof Thomas Löhr, der für die Ordensgemeinschaften im Bistum Limburg zuständig ist. In der Prozession wurde das Gnadenbild aus der Kirche auf den Wallfahrtsplatz getragen. In seiner Predigt betonte Weihbischof Löhr die Menschenwürde, die heute zunehmend missachtet werde. »Wer kniet, kann anderen nicht auf die Füße treten.« In seiner Abschiedsansprache verwies er auf den Sonnengesang des heiligen Franziskus. Im Tal von Marienthal finde sich sehr viel davon: Bruder Sonne, Schwester Wasser ebenso wie Mutter Erde. Durch die Wallfahrt habe die Vergebung hier einen großen Platz gehabt, und der Friedhof künde von Bruder Tod. Auch gab er bekannt, wie es mit der Wallfahrt weitergeht: Ab November werden zwei Vinzentiner vom heiligen Paul aus der indischen Provinz Kerala ins Bistum kommen, die bereits seit 20 Jahren in Berlin vertreten sind, und zunächst im Pfarrhaus in Eibingen wohnen. Von dort aus werden sie auch in der Pfarrseelsorge mitarbeiten. Die Übergangszeit wird von der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau überbrückt. Derzeit konstituiert sich ein Förderverein, der das künftige Wallfahrtswesen in seiner Neuausrichtung unterstützen will. Die bisherigen Bewohner des Klosters Marienthal zusammen mit Provinzialminister Markus Fuhrmann und Weihbischof Thomas Löhr kirche © joko – picture-alliance.com
RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=