Franziskaner - Herbst 2026

36 FRANZISKANER 3|2026 Ein zentrales Element seiner Arbeiten ist das Labyrinth – in vielen seiner Werke ist das Motiv präsent. Für Uli Viereck ist es das Zeichen eines verschlungenen Lebensweges, wie er ihm immer wieder bei seiner Arbeit als Pastoralreferent und Klinikseelsorger begegnet ist. Leserinnen und Leser unseres Schwestermagazins »Franziskaner Mission« dürften aber eher seine Gemälde von Franziskus kennen, die schon mehrmals auf dem Titel des Heftes zu sehen waren. Im Interview erzählt Uli Viereck, wie seine Kunst und die Arbeit im Palliativzentrum zusammenhängen und welchen Einfluss Franziskus auf ihn hat. Maximilian Feigl »Die Zumutungen des Lebens annehmen« Interview mit dem Künstler Uli Viereck Herr Viereck, das Labyrinth ist eines Ihrer zentralen Motive – wer Ihre Webseite viereck-kunst.de besucht, kann dort zahlreiche Variationen finden. Was bedeutet das Labyrinth für Sie? Ich kann mich erinnern, dass ich das Labyrinth von Chartres zum ersten Mal als Jugendlicher entdeckt habe. Schon damals war ich fasziniert, aber ich habe mich nicht sofort tiefer damit beschäftigt. Das Motiv hat dann wieder zu mir zurückgefunden, als ich selbst eine Krebserkrankung durchzumachen hatte. Zu dieser Zeit habe ich sehr viel mit Pastellkreide gearbeitet und habe versucht, mir meine inneren Prozesse vor Augen zu führen. Da sind dann Spiralformen entstanden, und ich habe davon ausgehend das Labyrinth wieder für mich entdeckt – als ein Zeichen, dass ein Lebensweg auch sehr verschlungen sein kann und es im Leben nicht nur gerade Linien von A nach B gibt. Man muss oft viele Umwege gehen und die Zumutungen des Lebens annehmen, weitergehen, auch wenn ich die nächste Kurve noch nicht überblicke. Außerdem habe ich gemerkt, dass das Motiv sehr anschlussfähig ist, auch für Menschen jenseits von christlich-konfessioneller Bildprägung. Und der Betrachter kann immer etwas Eigenes darin suchen und finden. So kommen viele Elemente und Momente zusammen, die für mich in der Seelsorge sehr hilfreich sind. Wie ist denn das Verhältnis zwischen Ihrer Arbeit und Ihrer Kunst? Das hat mehrere Ebenen. Ich habe Bilder gemalt, um Erfahrungen, die ich mit Palliativpatienten gemacht habe, zu verarbeiten. Diese Erschütterung etwa, die entsteht, wenn man miterlebt, was ein junger Mensch durchmacht, der auf den Tod zugeht. Dann sind da Patienten: Ich habe über die Jahre viele Patientenporträts im Palliativzentrum gemacht – mit Einverständnis der Patienten natürlich. Es ist immer wieder erstaunlich und sehr berührend zu sehen, wie diese Menschen ihr Leben als lebenswert empfinden – trotz ihrer, was die Zukunft anbelangt, aussichtslosen Situation. Sie finden immer noch Die Nähe und Vertrautheit mit Tieren bleibt immer ein Faszinosum

RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=