37 FRANZISKANER 3|2026 Grund, sich zu freuen. Einige dieser Fotos hängen – zusammen mit einigen meiner Labyrinthbilder und den Werken befreundeter Künstler – im Palliativzentrum. Das hat dadurch ein ganz anderes Gesicht als eine normale Station. Und immer wieder fühlen sich Patienten oder auch Angehörige durch das Betrachten dieser Bilder angesprochen. Wenn ich dann auf sie zugehe, als Künstler und nicht primär als Seelsorger, dann erreiche ich sie auf einer ganz anderen Ebene. Das gilt vor allem für diejenigen, die zu Kirche und Spiritualität einen großen Abstand haben. Das hat meine Arbeit oft befruchtet. Ich arbeite auch mit Musik, ich bin eigentlich immer mit einer Gitarre unterwegs. Von ganz alten und neuen christlichen Liedern bis hin zu Pop- und Liedermacher-Songs spiele ich aus vielen Genres – und versuche, die Ästhetik des einzelnen Menschen zu spüren, gemeinsam zu erkunden und einen Zugang zu finden. Es ist immer wieder schön zu merken, dass man mit solchen Werkzeugen Brücken bauen und die Leute berühren kann. Und das Team auf der Station? Auch das Palliativteam schöpft Energie daraus, in solch einem Ambiente zu arbeiten, das die Sinne anspricht. Sie freuen sich, wenn sie mich singen hören, und fühlen sich emotional begleitet in ihrer Arbeit an schwer kranken Menschen. Wir pflegen auch eine Erinnerungskultur an unsere verstorbenen Patienten. Dazu habe ich in unserem Besprechungsraum einen Baum gestaltet, auf dessen Blätter wir bei unseren regelmäßigen Besprechungen die Namen der gerade verstorbenen Patienten schreiben. Das Ritual hilft dabei, diese Abschiede zu bewältigen. Zu Ihren weiteren Motiven zählt ja auch Franziskus von Assisi. Welche Beziehung haben Sie zu dem Heiligen? Schon als junger Mensch war ich von Franziskus fasziniert. Ich war damals bei einer Jugendwallfahrt zusammen mit jungen Novizen, Padres und Ordensschwestern unterwegs auf den Spuren von Franziskus. Wir haben die Orte seiner Lebensgeschichte besucht, sind viel gewandert und haben Gottesdienste in Ruinen gefeiert – also ähnlich zu den Erfahrungen, die Franziskus mit den zerfallenden Kirchen oder Kapellen hatte. Das war die erste von vielen Reisen, die mich nach Assisi geführt haben. Als Student war ich dann mehrfach in San Masseo bei einem Projekt, in dem junge Menschen franziskanisches Leben mitgestalten konnten. Wir lebten auf einem alten, schon etwas verfallenen Gehöft und konnten mit anpacken: im Garten arbeiten, Schreinerarbeiten machen, Brot backen, solche Sachen. Das Ganze war Ulrich Viereck hat katholische Theologie studiert und arbeitete als Pastoralreferent 23 Jahre in der Klinik- und Hospizseelsorge sowie Trauerpastoral. Heute ist er noch als Seelsorger und Musiktherapeut im Palliativzentrum des Schwarzwald-BaarKlinikums VillingenSchwenningen tätig. Diesen Sonnengesang malte Uli Viereck 2010 für einen scheidenden Mesner der Franziskusgemeinde
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