38 FRANZISKANER 3|2026 mit täglichen Gebetszeiten in San Damiano verknüpft. Im Studium habe ich dann auch im Fach Kirchengeschichte eine Arbeit über Franziskus geschrieben. Und natürlich habe ich mich viel mit Literatur über Franziskus beschäftigt. Dazu zählten Bücher wie »Der letzte Christ« von Adolf Holl oder der Roman »Mein Franz von Assisi« von Nikos Kazantzakis. Witzigerweise hat der Verlag Jahre später für die Neuauflage des Buches bei mir angefragt, ob sie eines meiner Franziskusbilder als Titelbild verwenden können. Für meine erste Stelle als Pastoralreferent kam ich dann nach Schwenningen in eine Franziskusgemeinde. Da haben wir dann gleich zum Gemeindejubiläum ein Singspiel von Pater Helmut Schlegel OFM inszeniert. Später habe ich dann Jugendwallfahrten nach Assisi begleitet. Meine Verbindung zu Franziskus hat sich also durch mein ganzes Leben gezogen, und ich bin damit noch nicht fertig. Welcher Aspekt aus der Franziskusbiografie spricht Sie denn besonders an? Was mich mein Leben lang schon begleitet, ist eine Nähe zu Tieren, da sehe ich mich ganz nah an Franziskus. Aber was mich noch mehr beschäftigt, ist der Sonnengesang. Eines meiner Bilder dazu ist ja auch auf dem Titel der »Franziskaner Mission« zu sehen, das ist allerdings nur ein Ausschnitt. Eigentlich zeigt es viel mehr, Sonne, Mond, Sterne, Bruder Feuer, Schwester Wasser und Mutter Erde, aber auch den Wolf von Gubbio und die Vögel als gefiederte Geschwister. Das Bild habe ich ursprünglich für einen Mesner gemalt, zum Abschied von unserer Franziskusgemeinde. Ich arbeite aber auch immer wieder mit Patienten mit dem Sonnengesang. Zum Beispiel hat mir einmal ein italienischer Patient die Version aus dem Zeffirelli-Film »Fratello Sole, Sorella Luna« nahegelegt. Das Lied haben wir dann immer wieder zusammen gesungen. Und obwohl er Lungenkrebs hatte und normalerweise kaum einen Ton herausgebracht hat, konnte er den Sonnengesang auf unglaubliche Art singen. Dabei hat er mir gestanden, dass er sich eigentlich von Religion und seinem Glauben weit wegbewegt hatte, und ich sei jetzt schuld daran, dass er wieder an seine franziskanischen Wurzeln angeknüpft hat. Durch so etwas merke ich immer wieder, welch unglaubliche Kraft der Sonnengesang hat. Weil er eben auch aus einer Lebenssituation entstanden ist, in der Franziskus durch eine dunkle Phase gegangen ist, in der ihn Verzweiflung, Depression und die Blindheit gequält haben. Das macht den Sonnengesang für mich zu mehr als einem Lied von Lobpreis und Frieden – er erinnert auch daran, dass wir hindurchgehen müssen durch das Leiden und Sterben. Wissen Sie schon, was Ihr nächstes Motiv wird? Tatsächlich noch nicht, denn bei jedem Bild ist es anders. Ich lasse die Dinge gerne auf mich zukommen. Ein kleines Beispiel: Ich bin einmal beim Sortieren von Schrott in einer Altmaterialsammlung auf alte Münzen gestoßen, eine davon aus der Römerzeit. Statt sie in den Schrottcontainer zu werfen, habe ich sie dann in mein Atelier gebracht, das ich mir im Gemeindehaus einrichten durfte. Ich dachte mir, irgendwo werden die mal einen Platz haben. Und dann hat es kürzlich gezündet, und ich habe sie in ein Bild montiert, in dem auch zum Ausdruck kommt, wie Franziskus zu Geld gestanden hat. Ich glaube aber, dass ich in nächster Zeit gerne wieder mit Porträts arbeiten möchte. Für das Palliativzentrum habe ich einmal eine Reihe geschaffen, die das Leben in seinem Werden und Vergehen zeigt – von der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle über Porträts kurz nach der Geburt bis hin zu dem Gesicht einer Frau von über 90 Jahren. Porträts sind einfach immer spannend, weil Gesichter einen stets herausfordern. Für das Hospiz Via Luce malte Viereck das Triptychon »Zeit und Ewigkeit«, hier der Mittelteil mit einem Lebenslabyrinth
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