Franziskaner Mission 2 | 2026

Binnenmigranten. Er begleitet Menschen auf der Flucht durch Maßnahmen zur Aufnahme, zur Verteidigung ihrer Rechte und zur Integration. Der Dienst vereint Glauben und soziales Engagement. Zu den Initiativen des Seelsorgedienstes zählt insbesondere die »Woche der (Binnen-)Migranten«, die jährlich im ganzen Land stattfindet. Im Jahr 2025 feierte sie ihr 40-jähriges Bestehen unter dem Motto »Migration und Hoffnung« und erkannte Migration als einen menschlichen und spirituellen Weg an, der von Träumen angetrieben wird. Die 41. Ausgabe vom 14. bis 21. Juni 2026 stand unter dem Thema »Migration und Wohnen« und dem Motto »Ich habe keinen Platz zum Wohnen!«. Sie machte damit auf die Wohnungskrise aufmerksam, die Migranten durch hohe Mieten in Randgebiete drängt und sogar zum Leben auf der Straße zwingt. Der Mangel an menschenwürdigem Wohnraum wird so nicht nur zu einem sozialen Problem, sondern zu einer Verweigerung der Menschenwürde. Die Migrantenwoche orientiert sich an den vier von Papst Franziskus vorgeschlagenen Schwerpunkten – aufnehmen, schützen, fördern und integrieren – und umfasst Feierlichkeiten, Fortbildungen, Kulturfestivals, Räume für den Dialog und konkrete Solidaritätsaktionen unter Beteiligung von vielen Gemeinschaften und Organisationen. Es werden vier Schritte zusammengefasst: die Realität sehen, sie durch den Glauben erhellen, die Hoffnung feiern und handeln, um ungerechte Strukturen zu verändern. Dabei wird nicht nur Hilfe geleistet, sondern auch Gerechtigkeit gefördert. Auch Leser in Deutschland kennen Situationen der Migration. Viele Migrationsschicksale stehen im Zusammenhang mit globalen Herausforderungen. Migration, Ungleichheit und Wohnungsnot sind Themen, die überall auf der Welt aktuell sind. Gleichzeitig zeigt Brasilien, wie stark die Organisation der Bevölkerung und der Gemeinschaften ist. Aus christlicher Sicht gewinnt diese Realität an Tiefe. Auch Jesus war ein Migrant und erlebte die eigene Verletzlichkeit. In den Evangelien sagt er, er habe keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen könne (Mt 8,20). Wer also Menschen die Unterkunft verweigert, verweigert Christus selbst den Raum. Diese Überzeugung prägt das pastorale Handeln. Inspiriert von der Spiritualität des heiligen Franziskus von Assisi begleitet die Kirche die Migranten auf ihrem Weg. Auch Franziskus ging einen Weg des Übergangs und der Verwandlung: Er gab seine Privilegien auf, überschritt soziale Grenzen und entschied sich, an der Seite der Armen und Ausgegrenzten zu gehen. In der franziskanischen Tradition wird sein Tod als »Übergang des heiligen Franziskus« bezeichnet: nicht nur ein von Trauer geprägtes Ende, sondern ein Übergang zum vollen Leben in Gott, gefeiert mit Hoffnung, Wiedersehen und Vertrauen. Die Vorstellung dieses Transitus hilft auch, die Erfahrung der Migranten und Binnenmigranten zu verdeutlichen. Ihre Wege sind geprägt von Unsicherheiten, Abschieden und Schwierigkeiten, aber auch von Hoffnung, Neuanfang und der Suche nach einem würdigen Leben. Migrieren bedeutet, geografische, soziale und menschliche Grenzen zu überschreiten und dabei Träume, Erinnerungen und den Wunsch nach einer besseren Zukunft im Gepäck zu tragen. Wie beim Transitus von Franziskus geht es nicht nur darum, etwas hinter sich zu lassen, sondern auf das Leben zuzugehen. Im Geiste des heiligen Franziskus sind alle Menschen Brüder und Schwestern. Migranten sind keine Zahlen, sondern lebendige Geschichten. Die Kirche in Brasilien begleitet sie auf ihrem Weg und erkennt die aktive Rolle der Migranten an. Die Menschen zeigen, dass Hoffnung im Kampf um Würde entsteht. Offene Wege Diese Wege, die durch Brasilien führen, bleiben offen. Sie sind voller Schmerz, aber auch voller Hoffnung. Es sind Wege des Durchgangs, der Überquerung und der Suche nach einem erfüllten Leben. Angesichts dessen stellt sich eine wesentliche Frage: Wird es Platz für alle geben? Die Antwort hängt von kollektiven Entscheidungen und dem Aufbau gerechterer Städte ab. Sie hängt auch davon ab, jeden Migranten als Mensch mit Rechten und als Protagonisten seiner eigenen Geschichte anzuerkennen. Der Autor Rodrigo de Castro Amédée Péret ist Franziskaner und engagiert sich im franziskanischen Dienst für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Seit einigen Jahren konzentriert er sich vor allem auf das Thema Bergbau in Brasilien und weltweit. Übersetzung aus dem Portugiesischen: Márcia Santos Sant’Ana Das Wachstum der Favelas in Großstädten hängt mit der mangelnden Versorgung der Bevölkerung zusammen, die vom Land in die Stadt gezogen ist. 15

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