Franziskaner Mission 2 | 2026

Grenzenlose Geschwisterlichkeit »Franziskanisches Netzwerk für Migranten« Auf dem letzten Generalkapitel des Franziskanerordens im Jahr 2021 wurde folgender Auftrag verabschiedet: »Der Generalminister zusammen mit dem Definitorium sollen in Zusammenarbeit mit dem JPIC-Büro (Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung) und dem SGME (Generalsekretariat für Mission und Evangelisierung) die Umsetzung des Franziskanischen Netzwerks im Mittelmeerraum und des Franziskanischen Netzwerks für Migranten (RFM – Red Franciscana para Migrantes) in Lateinamerika fortsetzen und weiterhin Projekte und Prozesse zugunsten von Migranten in Afrika, Asien und in allen Grenzgebieten des Ordens fördern und begleiten.« Drei Punkte fallen bei dieser Entscheidung besonders auf. Erstens: Zum ersten Mal taucht der Begriff »Netzwerk« als ein Rahmen für die Zusammenarbeit auf, die umgesetzt, vorangetrieben und begleitet werden soll. Zweitens: Der Orden ruft dazu auf, über seine Provinzen und Kustodien hinweg eine regionale oder kontinentale Antwort auf die Realität der Migration zu geben. Drittens werden die Franziskaner konkret, indem sie Migranten und Flüchtlinge als historische Akteure bei der Umsetzung der Netzwerkziele einbinden. »Mögen unsere franziskanischen Einrichtungen Zufluchtsorte der Aufnahme und der Hoffnung für alle Familien auf der Flucht sein, die mit großer historischer Geduld und Ausdauer ein Leben in Würde suchen«. So formuliert es Gabriel Romero Alamilla ofm, Provinzialminister der Provinz San Felipe de Jesús Yucatán, Mexico, im Jahresbericht 2021 des Franziskanischen Netzwerks für Migranten. TEXT: Daniel Rodríguez Blanco ofm | FOTOS: Frank Hartmann ofm Der genannte Auftrag ist kein Ausgang, sondern die Sichtbarmachung von Prozessen, die sich sowohl im Mittelmeerraum als auch in Lateinamerika bereits entwickelt haben. Eine Lücke im Text des Provinzkapitels gibt es aber: Es wird nicht ausdrücklich erwähnt, dass die angebotene Antwort aus der Franziskanischen Familie stammt und in Zusammenarbeit mit anderen kirchlichen und sozialen Instanzen entsteht. »So wie Franziskus sich durch die Begegnung mit dem Aussätzigen verwandeln ließ, sind auch wir aufgerufen, im Antlitz der Migranten das Antlitz Christi selbst zu erkennen, der als Pilger auf Erden wandelt.« Massimo Fusarelli ofm, Generalminister, Jahresbericht RFM 2024 Die Entstehung von RFM Mitglieder der Franziskanischen Familie begleiten bereits seit vielen Jahren Migranten an Herkunfts-, Transit- und Zielorten auf unterschiedliche Weise. Gleichzeitig ist Lateinamerika einer der größten Migrationskorridore der Welt in Richtung der Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb entstand die Notwendigkeit, die Bemühungen der Franziskaner besser zu koordinieren und gleichzeitig die Realisierung neuer Projekte dort zu fördern, wo diese noch nicht existierten. Eingang und Innenhof der kirchlichen Migrantenherberge in Tecún Umán, Guatemala, an der Grenze zu Mexiko 26

RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=