Franziskaner Mission 2 | 2026

Innerhalb des Franziskanerordens gibt es eine Arbeitsgruppe namens Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (JPIC). Sie ist in allen Regionen der Welt durch für diesen Dienst verantwortliche Ordensbrüder vertreten. Zwei Veranstaltungen im Jahr 2018, an denen JPIC beteiligt war, prägten maßgeblich den Weg zur Gründung der RFM. Das erste Ereignis war der vom Generalbüro für JPIC organisierte Jahreskurs, der 2018 unter dem Titel »Migration: Ursachen, Mauern und franziskanische Perspektiven« dem Phänomen der Migration gewidmet war und in Guadalajara, Mexiko, stattfand. Der zweite Jahreskurs fand im Rahmen des III. Kongresses für Evangelisierung und Mission in Lateinamerika und der Karibik statt und wurde im Oktober 2018 in Guatemala abgehalten. Hierbei war die Mobilität der Menschen eines der zentralen Themen. Als Ergebnis dieser Veranstaltungen entstand das »Franziskanische Netzwerk für Migranten«, RFM, dessen erste Aktivitäten im Jahr 2019 unter Beteiligung von Laien sowie Ordensmitgliedern der Franziskanischen Familie stattfanden. Direkt hinter der Migrantenherberge in Tecún Umán liegt der Grenzfluss Suchiate. Hier setzen Schleuser Migranten über die Grenze nach Mexiko. »Im Jahr 2020 hatte die RFM die Möglichkeit, unseren Schutzunterkünften und Teams technische Unterstützung bei der Projektplanung, der Ausarbeitung von Anträgen und der Beratung von Spendern zur Mittelbeschaffung zu leisten.« Jahresbericht RFM 2020 »Brasilien, geschichtlich gesehen, ist ein Land mit einem hohen Anteil an Migranten aus verschiedenen Nationen und Kontinenten. Franziskaner und Franziskanerinnen setzen sich seit vielen Jahren auf vielfältige Weise für die schutzbedürftige Migrantenbevölkerung ein. Es war an der Zeit, diese Bemühungen in dem Franziskanischen Netzwerk für Migranten in Amerika zu bündeln.« Jahresbericht RFM 2022 Identität und Struktur Das »Franziskanische Netzwerk für Migranten« versteht sich als ein Netzwerk von Menschen und Einrichtungen in ganz Amerika, die, inspiriert von der franziskanischen Spiritualität, auf Migranten zugehen, um deren Rechte in ihren jeweiligen Herkunfts-, Transit- und Zielländern zu unterstützen, zu fördern, zu schützen und zu verteidigen. Es soll eine Kultur der Begegnung gefördert werden. Um diese Identität und diesen Auftrag voranzutreiben, ist RFM in vier Ausschüsse gegliedert, von denen jeder seine eigenen Ziele und spezifischen Aufgaben hat: der Lenkungsausschuss, der Koordinierungsausschuss, der Ausschuss für Interessenvertretung und der Kommunikationsausschuss. Alle werden von einem Administrationsbüro unterstützt. Bis zum Jahr 2026 ist die RFM in zehn Ländern Amerikas vertreten: Brasilien, Chile, Bolivien, Kolumbien, Panama, El Salvador, Honduras, Guatemala, Mexiko und den Vereinigten Staaten. Jedes nationale Team wird von einem Verantwortlichen geleitet. Gemeinsam entwickeln sie Projekte, die auf den jeweiligen Migrationskontext, die Reaktionsfähigkeit des Teams und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit kirchlichen und staatlichen Institutionen sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen zugeschnitten sind. Länder wie Brasilien, Panama, Guatemala, Mexiko und die Vereinigten Staaten verfügen über Aufnahmezentren für Migranten und Flüchtlinge, die verschiedene Grundversorgungsleistungen anbieten: Verpflegung, Körperpflege, körperliche und psychische Gesundheitsversorgung, Rechtsberatung, seelsorgerische Begleitung sowie sichere Freizeitangebote, um nur einige zu nennen. Andere Länder führen Projekte durch, die sich beispielsweise mit der Betreuung von Rückkehrern, der Aufnahme und seelsorgerischen Begleitung von Migranten in den Zielländern, Sensibilisierungskampagnen gegen fremdenfeindliche Stimmen sowie Initiativen zur Interessenvertretung, Fortbildung und Verteidigung der Menschenrechte von Migranten und Flüchtlingen befassen. Das »Franziskanische Netzwerk für Migranten« ist heute einer der konkretesten Ausdrucksformen des franziskanischen Engagements für die Randgruppen unserer Zeit. Das RFM ist mehr als nur eine organisatorische Struktur; es ist ein gemeinsamer Weg der Brüderlichkeit, der Vernetzung und der evangelischen Antwort auf das Drama der menschlichen Mobilität auf dem amerikanischen Kontinent. Letztendlich bringt das RFM die Überzeugung zum Ausdruck, dass das Phänomen der Migration nicht nur eine soziale oder politische Herausforderung ist. Es ist auch ein theologischer und franziskanischer Ort, von dem aus Gott die Kirche und die franziskanische Familie weiterhin auffordert, das Evangelium der universellen Brüderlichkeit zu leben, in dem Grenzen angesichts der Würde jedes Menschen ihre Bedeutung verlieren. Der Autor Daniel Rodríguez Blanco ist Franziskaner, lebt in Rom und leitet in der Generalkurie das Sekretariat für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Außerdem gehört er dem Vorstand des »Franziskanischen Netzwerks für Migranten« (Red Franciscana para Migrantes – RFM) an. Übersetzung aus dem Spanischen: Márcia Santos Sant’Ana 27

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