1992 verbrachte ich als Seminarist ein Jahr in Cochabamba in Bolivien. »Mit dem Volk und wie das Volk leben«, so mein Ideal. Also verließ ich das sichere Seminar der Steyler Missionare und zog in eine Lehmziegelhütte mit Wellblechdach in ein Armenviertel am Stadtrand. Ohne fließendes Wasser. Die Welt braucht unsere Mission! Ein persönlicher Erfahrungsbericht TEXT UND FOTO: Robert Hof Heute staune ich über so viel jugendlichen Mut und wohl auch Leichtsinn! Und ich bekenne: Ich habe nie wirklich »wie das Volk« gelebt. Wie auch? Ich hatte ein Rückflugticket und Eltern in Deutschland, die mir im Notfall geholfen hätten. Medizinisch geht für diejenigen, die Geld haben, immer mehr als für die, die keines haben. Und wenn es einem zu trist wurde, konnte man in die Stadt fahren und sich einen Eisbecher kaufen. Armut bedeutet gerade, kein solches »Hintertürchen« zu haben. Damals lernte ich Pater Paco kennen, einen spanischen Missionar, der seinen Reisepass verbrannt hatte, um auf Gedeih und Verderb mit dem bolivianischen Volk verbunden zu sein. Ganz im Sinne des Jesuiten Luis Espinal: Mission heißt, »die Schiffe hinter sich zu verbrennen«. Ich habe meinen Reisepass behalten. Aber Bolivien hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Glaube schenken! »Wir tragen einen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen« (2 Kor 4,7), so lautet mein Primizspruch. Ein Wort, das mir immer wichtiger geworden ist. Der Schatz ist für mich der Glaube an Jesus Christus und sein Evangelium. Eine Botschaft, die Menschen Würde und Freiheit verleiht, besonders den Armen. Das Gefäß allerdings ist zerbrechlich. Die Kirche ist allzu menschlich und hat sich schuldig gemacht, ist ein angeschlage14
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