Franziskaner Mission 3 | 2026

und auch Erwachsener. So werden sie häufig von ihren Familien aus Scham versteckt. Die Kinder erhalten weder eine medizinische Betreuung noch die Möglichkeit auf Bildung. Einigen Familien wird die Versorgung ihres behinderten Kindes zu viel. Im schlimmsten Fall werden die Kinder regelrecht ausgesetzt und ihrem Schicksal und damit dem sicheren Tod überlassen. Die Franziskaner setzen sich nicht nur für die Akzeptanz und Versorgung der behinderten Kinder ein, sie leisten mit der Schaffung eines Zuhauses auch einen wichtigen Beitrag für die Wertschätzung von behinderten Menschen. Dies wollte auch ich unterstützen. In Subukia selbst erlebte ich, dass ich allein durch meine Anwesenheit den Menschen zeigen konnte, dass Kinder mit Behinderung etwas wert sind. Schließlich war ich tausende Kilometer weit gereist, um Zeit mit diesen vermeintlich »weniger wertvollen« Kindern zu verbringen. Außerdem hatte ich große Freude daran, die Kinder zu fördern und zu unterstützen, sei es bei den Hausaufgaben, den alltäglichen Aufgaben oder bei der Freizeitgestaltung. In den gemeinsamen Monaten fand ich im Small Home eine zweite Familie, zu der ich mich bis heute zugehörig fühle. Meine Hoffnung Da ich im Anschluss meines Freiwilligendienstes ein Lehramtsstudium beginnen wollte, interessierte mich der Bereich Bildung vor Ort natürlich sehr. Daher brachte ich mich neben meiner Arbeit im Small Home auch in der St. Francis Secondary School ein. Es handelt sich um eine weiterführende Schule, die von Jugendlichen im Anschluss an die Grundschule mit finanzieller Unterstützung der Franziskaner besucht werden kann. Um dies möglich zu machen, organisieren die Franziskaner Paten, die für die Kosten aufkommen. An der Suche nach Paten in Deutschland bin ich bis heute beteiligt, damit möglichst viele Kinder in Subukia ihr Recht auf Bildung wahrnehmen können. Prägende Erfahrungen Seit meinem Freiwilligendienst 2012 reise ich so gut wie jedes Jahr nach Subukia. In den vielen Jahren dort durfte ich Erfahrungen sammeln, die mich bis heute prägen und meine Sicht auf die Welt, in der ich lebe, verändert haben. Vor allem die Umstände, in denen die meisten Menschen in Subukia leben, haben mir den Blick für das wirklich Wesentliche im Leben geöffnet. In unserer westlichen Welt hängen wir viel zu oft an unwichtigen Kleinigkeiten und verlieren den Blick für das Entscheidende. Nach jedem neuen Aufenthalt in Subukia fühle ich mich wieder ein Stück geerdet. Ich kann dann für eine Zeit aus dem Hamsterrad des schnellen Alltags in Deutschland ausbrechen und meinen Blick wieder auf das Wesentliche richten. Außerdem lassen mich die Erfahrungen dankbar sein, für die Lebensumstände, in die ich hineingeboren wurde und in denen ich aufwachsen durfte. Dafür, dass ich mir nie Sorgen um das Essen für den nächsten Tag oder die Bezahlung meiner Schulgebühren machen musste. Eine besonders einprägsame Erfahrung, die ich immer wieder machen durfte, war die Einstellung, mit der die Menschen in Subukia auf sich, ihr Leben und seine Herausforderungen blicken. Viele Menschen, die mir in Subukia begegnet sind, haben eine rundum positive Lebenseinstellung – und das trotz der Herausforderungen, die ihr Leben jeden Tag prägen. Sie strahlen trotz ihrer Armut und Sorgen eine große Zuversicht, Dankbarkeit und Freude aus. Diese Einstellung wird oftmals von einem großen Gottvertrauen und einem tiefen Glauben getragen. Die Menschen glauben daran, dass Gott seine Hand schützend über sie und ihr Leben halten wird. Daher legen sie all ihre Sorgen in seine Hand. Diese Einstellung habe ich als großen Schatz wahrgenommen. Sie löste bei mir die Empfindung aus, dass die Menschen damit trotz ihrer Armut einen großen Reichtum in ihren Herzen besitzen. Ausgehend von dieser Empfindung habe ich meinen Verein »Reichtum der Herzen« genannt. Die Autorin Maren Herbert ist Lehrerin in einer Förderschule in Fulda. 2014 gründete sie den Verein »Reichtum der Herzen« in Rasdorf und besucht die Kinder in Subukia, Kenia, nahezu jedes Jahr. 25

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