Franziskaner Mission 3 | 2026

Gesetz (dadurch werden Menschen mit Autismus offiziell als Menschen mit Behinderung anerkannt) sowie das brasilianische Inklusionsgesetz für Menschen mit Behinderungen. Diese Rechtsgrundlagen bilden die Basis der nationalen Politik für inklusive Sonderpädagogik und regeln die spezialisierte pädagogische Betreuung als ergänzende Unterstützung innerhalb des allgemeinen Schulwesens. Seit mittlerweile fünf Jahren bin ich als Lehrerin für AAE an der Frei-Alberto-Schule tätig. Dabei begleite ich täglich 25 Schülerinnen und Schüler, von denen jede und jeder ihre und seine eigenen Fähigkeiten, Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten mitbringt. Diese Arbeit ermöglicht es mir, ihre Fortschritte beim Lernen, ihre wachsende Selbstständigkeit und ihre soziale Entwicklung über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Ein Beispiel dafür ist der Schüler João Guilherme, der eine Autismus-Spektrum-Störung hat und bereits im Vorschulalter an unsere Schule kam. Anfangs fiel es ihm schwer, sich an den Schulalltag zu gewöhnen. Er hatte Schwierigkeiten beim Schreiben, dem Unterricht zu folgen und Kontakte zu seinen Mitschülerinnen und Mitschülern aufzubauen. Heute besucht er die vierte Klasse der Grundschule und hat sich in all diesen Bereichen deutlich weiterentwickelt. Seine Entwicklung zeigt eindrucksvoll, wie wichtig das Zusammenspiel von Schule, Familie und spezialisierter pädagogischer Betreuung für die schulische und soziale Teilhabe eines Kindes ist. Einfühlungsvermögen Solche und weitere Erfahrungen haben mir verdeutlicht, dass jeder Schüler und jede Schülerin einzigartig ist. Für Kinder mit einer AutismusSpektrum-Störung gibt es keine allgemeingültigen pädagogischen Rezepte. Vielmehr erfordert die Arbeit eine kontinuierliche Beobachtung, sorgfältige Diagnostik, Flexibilität und ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Nur so lassen sich Methoden, Materialien und Lernziele an die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes anpassen. Neben der fachlichen Dimension wird meine Arbeit auch von meinem christlichen Glauben getragen. Im Laufe meiner Tätigkeit in der Sonderpädagogik habe ich erkannt, dass dieser Beruf zugleich eine Form des Dienstes am Mitmenschen ist. Anderen zu dienen, bedeutet für mich, die Liebe Gottes im Alltag konkret werden zu lassen. Die Worte Jesu »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Matthäus 22,39) begleiten und inspirieren meine pädagogische Arbeit. Sie ermutigen mich, jedem Kind mit Respekt, Würde, Geduld und Hoffnung zu begegnen. Auch eine Bibelstelle aus dem Brief des Paulus an die Epheser bestärkt mich in der Überzeugung, dass jeder Mensch mit einer einzigartigen Berufung und besonderen Fähigkeiten geschaffen wurde. »Denn seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus zu guten Werken erschaffen, die Gott für uns im Voraus bestimmt hat, damit wir mit ihnen unser Leben gestalten.« (Epheser 2,10) Die Arbeit mit Kindern mit sonderpädagogischem Bedarf zeigt mir, dass keine Behinderung die Würde, den Wert oder das Entwicklungspotenzial eines Menschen mindern kann. Im Gegenteil: Jedes Kind besitzt Begabungen, die sich entfalten können, wenn es angenommen, gefördert und von engagierten Fachkräften begleitet wird. Die Autorin Valéria Silva de Sousa ist Pädagogin mit einer Weiterbildung in Sonderpädagogik und inklusiver Bildung. Derzeit arbeitet sie als Lehrerin für spezialisierte pädagogische Betreuung an der Frei-Alberto-Schule in São Luís im brasilianischen Bundesstaat Maranhão. Übersetzung aus dem Portugiesischen: Márcia Santos Sant‘Ana 27

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