Als der reiche Kaufmannssohn Francesco Bernadone am Wendepunkt in seinem Leben steht, gibt er seinen sozialen und materiellen Status auf, ändert sein Leben radikal und begibt sich in eine frei gewählte und konsequent gelebte Armut.
Diese Armut spiegelt sein Vertrauen in Gott, den Vater und Schöpfer aller Dinge, wider, in dessen Hände er sich begibt und der für ihn sorgt. Franziskus möchte in den Fußspuren Jesu gehen, der sich arm für die Menschen machte und Mensch wurde. Diese freiwillige Armut ist für Franziskus keine Haltung von Verzicht und Opfer. Vielmehr macht sie ihn „reich an Tugenden“ und ist eine Quelle der Freude. In diesem Sinne fordert Franziskus sich und seine Brüder zu völliger Besitzlosigkeit als geistliche Haltung auf.

Die Armut und das Elend der Menschen hat Franziskus dagegen als Übel angesehen. Immer hat er – im wahrsten Sinn des Wortes – „sein letztes Hemd“ und einzigen persönlichen Besitz einem noch Ärmeren geschenkt. Zu diesen zwei Aspekten der Armut – als geistliche Haltung des einzelnen Bruders und gelebte Solidarität mit den Armen – verpflichtet das Armutsgelöbnis die Franziskaner bis heute.
Wie diese Armut unter den herrschenden sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen gelebt werden kann, ist dagegen eine immer neu zu stellende Frage, die, fernab von romantischen Vorstellungen und ohne für die Armen und Elenden dieser Welt als Provokation zu wirken, beantwortet werden muss. Denn, unweigerlich sind die Franziskaner als Ordensgemeinschaft mit dem Begriff der Armut verknüpft.