
Unsere Provinzbibliothek berichtet in ihrem Blog regelmäßig von besonderen Büchern und unerwarteten Schätzen. Unter www.bibliothek.franziskaner.de gewähren der Provinzbibliothekar Pater Damian Bieger OFM und Historikerin und Kodikologin Dr. Sabine Buttinger einen Blick hinter die Kulissen der Bibliothek.
Die Aktion zur Rettung der Bücher der Provinzbibliothek ist praktisch abgeschlossen und der Restaurator hat das Geld für seine Arbeit bekommen. Den Großteil der Kosten förderte die Koordinierungsstelle für den Erhalt des schriftlichen Kulturgutes (KEK), sie deckte 70 Prozent der Ausgaben. Damit sind zahlreiche Bücher vor dem Zahn der Zeit bewahrt, wie etwa eine 1479 gedruckte lateinisch-deutsche Ausgabe des Hohelieds. Aber wozu? Liest heute noch jemand ein fast 550 Jahre altes Buch mit einer Sammlung von Liebesliedern, die mindestens 2.500 Jahre alt ist?
Um die Bedeutung der alten Bücher besser zu verstehen, hilft es, sie anders zu betrachten – als immaterielle, geistig-kulturelle Ressourcen. Denn viele alte Bücher sind alleine durch ihre Beschaffenheit komplexe historische Objekte mit einer Fülle an Informationen über die Vergangenheit. Sie überliefern uns, wie sich Menschen den Herausforderungen des Lebens in ihrer Zeit gestellt haben. Es geht also um die Lebenswirklichkeit und Lebenserfahrung vergangener Generationen, festgehalten durch die Erfindung der Schrift und später des Buches. Das macht alte Schriften zu Trägern von geistiger Ressource. Das Problem dabei ist, dass das, was einmal vergessen wurde, auch nicht mehr vermisst werden kann. Was spurlos fehlt, ist einfach weg. Mehr dazu im aktuellen Bibliotheksblog.
Über die Provinzbibliothek
Die Deutsche Franziskanerprovinz hat sich beim Zusammengehen der vier Provinzen Bavaria, Colonia, Thuringia und Saxonia im Jahr 2010 dafür entschieden, dass sie in Deutschland zukünftig nur noch eine Provinzbibliothek am Standort in München betreiben wird.
Die Bibliothek im Münchner Franziskanerkloster St. Anna soll nun zum Erinnerungsspeicher für deutschsprachige franziskanische Literatur aus den verschiedenen Jahrhunderten werden. Deshalb wird nur noch in das Fach „Franciscana” neue Literatur aufgenommen. Sie beherbergt etwa 120.000 Bände, darunter gut 20.000 Bände Altbestand. Allerdings müssen viele der alten Bücher noch „gerettet” werden, damit sie wieder zugänglich werden. Der Zahn der Zeit hat gnadenlos genagt!