02.04.2026 Pater Thomas Ferencik

„Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.“

Ein Ostergruß von Pater Thomas Ferencik

Pater Thomas Ferencik lebt seit 2022 auf einer Baustelle. Der Konvent der Franziskaner und das internationale Studierendenwohnheim in Hamburg werden umgebaut, erneuert und renoviert. Sein Ostergruß kommt daher vom ganz normalen Chaos einer Baustelle, die zum Alltag wurde:

Eine neue Tür im Franziskanerkloster in Hamburg wurde eingebaut … Bild von Pater Thomas Ferencik

Gern will ich über Auferstehung, Hoffnung und Befreiung sprechen, aber emotional bleibe ich dann irgendwann bei einer Mängelliste und den noch ausstehenden Arbeiten hängen. Mehr als 4 Jahre beschäftigen wir uns mittlerweile in Hamburg mit der Sanierung des Hauses 24. Und nun, wo wir fast das Ende erreicht haben, gibt es ein Thema, das immer wieder aufkommt: „Türen“.

Eine Tür hat sich verzogen, bei einer anderen fehlt die Schließanlage oder gar der Türgriff, und oftmals sitzt die Dichtung so straff, dass es keine Chance gibt, die Tür mit einer Hand zu öffnen. Aber sehen wir es positiv: Diese Türen sind bereits schon eingebaut. Andere dagegen lassen seit Wochen auf sich warten.

Mit diesem Hintergrund lese ich nun die österlichen Texte und bleibe bei Maria aus Mágdala hängen. Irgendwie ist sie ja auch mit einer Tür beschäftigt, mal ist diese bereits geöffnet, mal kommt es zum Showdown des Engels: „…, denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.“ So einfach geht das! Während wir uns berechtigte Sorgen machen, dass alle Ein- und Ausgänge dicht und schließbar sind, führt uns die Botschaft von der Auferstehung einen Schritt weiter, in einen Bereich, wo keine Türen notwendig sind.

Natürlich werden wir jetzt nicht auf unsere Schließanlage verzichten. Aber es tut gut, sich von der frei machenden Botschaft inspirieren zu lassen. Eine Mängelliste auf der Baustelle kann schnell dazu führen, dass man sich nur noch in seiner Bubble aufhält. Das betrifft natürlich alle Lebensbereiche, z.B. auch im pastoralen Dienst oder im „klösterlichen“ Alltag. Und Türen spielen da oftmals eine wichtige Rolle. Einerseits geben sie uns Privatsphäre und Sicherheit, andererseits können sie aber auch zu Isolation und Abschottung beitragen.

Leider erfahren wir Letzteres als einen Trend unserer Zeit. Türen werden verschlossen, sowohl auf weltpolitischer Bühne als auch in gesellschaftlichen und sozialen Bereichen. In diese Zeit hinein wünschte ich mir, dass es viele solcher Engel gibt, die einfach mal die Steine der Trennung wegschieben und uns zurufen: Fürchtet euch nicht.

„… denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.“

Mir fällt da auch der allgemein bekannte Spruch ein: „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.“ In einem österlichen Kontext passt es vielleicht besser zu sagen: Wenn wir eine Tür schließen, öffnen wir eine andere, und sei sie noch so klein. Das ist sicherlich nicht so einfach, wie es bei dem Engel beschrieben wird. Aber genau dafür feiern wir ja Ostern:

  • sich inspirieren lassen von einem weggewälzten Stein, der uns einen neuen Blick auf Gottes Handeln gewährt
  • sich motivieren lassen von einem Engel, der die Initiative ergreift
  • sich ermutigen lassen durch die Auferstehung Jesu, selbst immer wieder aufzustehen
  • sich anstecken lassen von der Neugier der Jünger, neue offene Türen zu finden
  • sich bewegen lassen von Maria von Mágdala, um den Menschen zu verkünden: Der Herr ist wahrhaft auferstanden

Im Namen aller Brüder in der Provinzleitung wünsche ich ein frohes und gesegnetes Fest der Auferstehung!


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