3/2025 13 tes zurück, der allerdings von Eltern erbeten sein will. – Als nächstes fällt uns die bereits erwähnte Geschwister-Rivalität auf, die in unserem Fall schon im Mutterleib beginnt. – Scharf herausgearbeitet ist dann der Unterschied zwischen den beiden Neugeborenen. Der erste ist „struppig und behaart“, und das hebräische Wort für diese Eigenschaft lautet „Esav“, bzw. Esau. – Der zweite Sohn umklammert mit seinen kleinen Händchen die Ferse des Bruders, als wolle er verhindern, dass Esau vor ihm das Licht der Welt erblickt. Die Historiker sagen: Mit diesem Zug unserer Erzählung soll der Name Jakob, den der Zweitgeborene bekommen hat, erklärt werden: Das hebräische Wort „aqeb“ heißt Ferse. Ein sehr nahe verwandtes Wort, nämlich „aqab“, heißt Betrüger. Beide Wörter würden ja auf Jakob passen, da er nicht nur die Ferse seines Bruder festgehalten, sondern diesen Bruder später auch um sein Erstgeburtsrecht betrogen hat. – Die Fachleute für alte Sprachen sind freilich der Ansicht, dass beide Anspielungen für eine Namenserklärung nicht recht überzeugen. Sie sehen in „Jakob“ einen verkürzten „Satz-Namen“, d. h. einen Wunsch mit dem Inhalt: „Die Gottheit möge dich schützen.“ – Es ist hilfreich, wieder einmal daran zu erinnern, dass die vorliegenden Erzählungen keine Tatsachenberichte sind, sondern Versuche, reale Zustände historisch und theologisch zu deuten. Nun gab es in der jüdischen Welt Nomaden und Viehzüchter auf der einen, und Jäger auf der anderen Seite. Die Jäger waren (bzw. galten als) grobschlächtig und ungestüm, den Tieren nahestehend, die sie täglich jagten. Ihren Typ verkörpert der haarige Esau, der triebhaft und etwas stumpf wirkt. – Der glatthäutige Jakob wird als ruhig und nachdenklich geschildert, er hält sich gern bei den Zelten auf und ist der Liebling seiner Mutter Rebekka. Freilich kann er auch (und das lässt ihn charakterlich fragwürdig erscheinen), aalglatt, berechnend und verschlagen sein. Unsere weitere Darstellung wird dafür Belege liefern. – Was uns noch auffällt: Gott sagt zu Rebekka: „Der Ältere muss dem Jüngeren dienen“, mit anderen Worten: Von Anfang an ist in der göttlichen Vorsehung festgelegt, dass der jüngere Sohn dem älteren überlegen sein wird. Jakob ist der Auserwählte. Esau spielt die zweite Geige. Noch einmal anders ausgedrückt: Es gibt eine Vorherbestimmung zum Erfolg, zum Aufstieg. Und es gibt eine Bestimmung zum Dienst im zweiten Glied, zum Unterlegen-Sein. Dem Menschen aber ist es verwehrt, zu durchschauen, nach welchen Regeln diese Erwählung verfährt. Gott ist uns keine Rechenschaft schuldig. Seine Gedanken und Wege sind nicht die unseren. Der unterlegene Esau Was wir eben über Esau angedeutet haben (er steht an „zweiter Stelle“), das zeigt sich an konkreten Vorfällen. Gewiss hat Esau als erster Sohn Isaaks das Licht der Welt erblickt. Aber er kann sein „Erstgeburtsrecht“ nicht wahrnehmen und verteidigen. – Eines schönen Tages kommt er erschöpft und hungrig von der Jagd nach Hause. Jakob hat gerade ein Linsengericht bereitet und der hungrige Esau sagt zu ihm: Gib mir bitte etwas zu essen von der roten Speise, die du vor dir stehen hast, denn ich bin ganz erschöpft. – Jakob ergreift sofort die Chance, die sich ihm hier bietet. Er sagt: Du kannst mitessen, wenn du mir dafür dein Erstgeburtsrecht überlässt. – Der ausgehungerte Esau sagt verständlicherweise: Ich sterbe in diesem Augenblick vor Hunger. Was soll mir da das Erstgeburtsrecht! – Und er schwört seinem Bruder: Ich verkaufe dir dieses Recht, wenn ich hier und jetzt endlich etwas zu essen kriege. – Beduinenzelt vor 100 Jahren in Palästina, Sammlung Benzinger Kommissariat München Esau und Jakob Esau und Jakob
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