Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025 - 3

3/2025 15 wird. – Bei Mt 22,32 gebraucht Jesus für seinen himmlischen Vater die Bezeichnung „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“. – Es besteht kein Zweifel: auch wenn uns nicht alles zusagt, was wir in der Bibel über Jakob lesen: Er ist für die jüdische und frühchristliche Theologie eine positive Gestalt, ein Stammvater und Patriarch, der seinem Großvater Abraham, dem „Vater des Glaubens“, kaum nachsteht. Jakob „bei den Zelten“ In jungen Jahren erscheint Jakob als ruhiger und besinnlicher Mensch, der sich nicht in der Steppe herumtreibt und Jagd auf das Wild macht (wie sein Bruder Esau), sondern gerne zu Hause bleibt und sich mit seiner Mutter unterhält. So wird er zu Rebekkas Lieblingssohn, während der alte Isaak mehr den widerborstigen Esau schätzt, weil er gerne das Wildbret isst, das ihm dieser erjagt. – Als Esau eines Tages völlig erschöpft von der Jagd heimkehrt, kommt es zu der Szene die wir schon erwähnt haben. Jakob überrumpelt den ausgelaugten Bruder und listet ihm für ein Linsenmus das Recht der Erstgeburt ab. Um zu verstehen, worum es hier geht, muss man wissen: Nach jüdischem Recht erhielt der Erstgeborene einen doppelten Anteil vom väterlichen Vermögen, er erfreut sich einer gewissen Autorität über seinen Brüdern und Schwestern, folgte seinem Vater als Familienoberhaupt nach und hatte Anspruch auf einen besonderen Segen seines Vaters. – All das bedenkt der geistig etwas plumpe Esau nicht. Und ohne recht zu wissen, was er tut, verzichtet er zugunsten Jakobs auf seine Privilegien. Dieser aber bleibt konsequent auf dem Weg, den er eingeschlagen hat. Als sich Isaak dem Tode nahe fühlt (er ist schon seit längerer Zeit blind), will er seinem Erstgeborenen Esau den Segen spenden, der ihn zum Haupt der Großfamilie machen soll. Wie schon angedeutet, gelingt es auch jetzt dem schlauen Jakob wieder, den Bruder auszustechen und den blinden Vater zu überlisten. Wie das im einzelnen vor sich geht, ist in der Bibel so spannend geschildert, dass man sich bei der Lektüre an eine moderne Kriminal-Erzählung erinnert fühlt. (Wer ein Altes Testament zur Hand hat, mache sich das Vergnügen und lese Gen 27, überschrieben „Der Erstgeburtssegen“!). – Wer am Schluss der Episode den Schmerz des betrogenen Esau miterlebt, sein Aufschreien in höchster Verbitterung, sein lautes Weinen, als der Vater gesteht: Ich habe deinem Bruder alle Vollmachten übertragen, die ich weitergeben konnte – der wird spontan Mitleid mit dem betrogenen Esau haben und in Jakob nicht unbedingt einen gerechten Freund Gottes sehen. Flucht nach Haran Jedem Leser ist verständlich, was Esau nach dieser Episode in bitteren Selbstgesprächen überlegt: Mein Vater wird nicht mehr lange leben. Wenn wir seinen Tod betrauert haben, muss ich keine Rücksicht mehr nehmen. Dann werde ich Jakob umbringen! In dieser Situation gibt Rebekka ihrem bedrohten Lieblingssohn den Rat, nach Haran ins nördliche Mesopotamien zu ihrem Bruder Laban zu fliehen und dort abzuwarten, bis sich Esaus Zorn gelegt hat. Dem blinden Isaak erklärt sie, sie schicke Jakob in ihre Heimat, damit er sich aus ihrer Verwandtschaft eine Frau suche und nicht etwa wie Esau eine Kanaaniterin heirate. Isaak ist das Beduinenjunge bei Betlehem Esau und Jakob Esau und Jakob

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