Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025 - 3

18 3/2025 Rolle spielen. (Viele Besucher des Heiligen Landes kennen wohl die berühmten Glasfenster von Marc Chagall in der Hadassa-Klinik zu Jerusalem, die dem Andenken dieser Stammväter gewidmet sind.) Jakob überlistet seinen Schwiegervater Jakob begann nun, seine Heimreise zu planen. Er verlangte von Laban, dessen Herden sich unter seiner Obhut stark vermehrt hatten, einen gebührenden Lohn. Dabei schloss er mit ihm folgenden Vertrag: Alle schwarzgestreiften und dunklen Schafe und alle weißgestreiften und hellen Ziegen, die ab heute in Labans Herden geworfen würden, sollten Jakob gehören. – Dem geizigen Laban war das recht, da die meisten Schafe weiß und die meisten Ziegen schwarzbraun, also einfarbig waren. Gesprenkelte und gestreifte Tiere gab es kaum. Und jeder Hirte wusste, dass von einfarbigen Muttertieren nur in seltenen Fällen gestreifte oder scheckige Junge geworfen werden. – Jakob aber, der noch sechs Jahre bei Laban diente, wandte einen magischen Trick an, um mit einfarbigen Elterntieren scheckige Junge zu züchten. Er legte Stäbe in die Tränkrinnen an denen die weiblichen Tiere von den Böcken besprungen wurden. Von diesen Stäben hatte er die Rinde in Streifen abgeschält. Dieser Anblick des „Gestreiften“ (so kalkulierte Jakob gemäß dem damaligen Volksglauben) geht im Augenblick der Empfängnis auf die Leibesfrucht über und bewirkt, dass auch das entstehende Junge „gestreift“ wird. – Was immer man von dieser Methode halten mag, im vorliegenden Fall hatte sie Erfolg. Jakob kam in wenigen Jahren zu einem großen Bestand an scheckigen Schafen und Ziegen. Und Laban mit seinen Söhnen konnte nur neidisch auf den wachsenden Wohlstand des einst mittellosen Flüchtlings blicken. Schließlich gab Gott dem Jakob im Traum die Weisung, sich von Laban zu trennen und mit seiner ganzen Familie und Habe in die alte Heimat zurückzukehren. Als Laban eines Tages bei der Schafschur war, machte sich Jakob heimlich davon. Laban setzte ihm mit seinen Brüdern nach, holte ihn ein und machte ihm heftige Vorwürfe. Er wagte aber nicht, Gewalt gegen Jakob anzuwenden; denn auch ihm war Gott im Traum erschienen und hatte gesagt: Hüte dich, Jakob auch nur das Geringste vorzuwerfen (Gen 31,24). Nach längerem Hin und Her versöhnte sich Jakob schließlich mit seinem Schwiegervater. Er zog nun seines Weges, seinem schwierigen Bruder Esau entgegen. Jakobs Kampf mit Gott Zu den berühmtesten Szenen in der langen „Jakobsgeschichte“ gehörte das nächtliche Ringen Jakobs mit einem geheimnisvollen Mann. Die Bibel erzählt: Als eines Abends Jakobs Familie mit den Herden den Jabbok (einen Nebenfluss des Jordan, etwa 40 km nördlich des Toten Meeres) überquert hatte, blieb Jakob allein auf der verlassenen Seite des Flusses zurück. Da trat in der Dunkelheit ein Mann auf ihn zu und begann mit ihm zu ringen. Jakob, der sehr stark war, leistete heftigen Widerstand. Der Mann konnte ihn nicht bezwingen und bat schließlich: Lass mich los, denn die Morgenröte ist aufgestiegen. – Jakob entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest. – Da fragte der Mann: Wie heißt du? und Jakob nannte seinen Namen. – Da sprach der Mann: Nicht mehr Beduinen beim Tränken der Herde vor ca. 100 Jahren, Sammlung Benzinger Kommissariat München IM LAND DES HERRN

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