3/2025 19 Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen. – Als Jakob den Namen des Fremden wissen wollte, verweigerte der die Antwort. Aber er segnete Jakob. – Jakob nannte den Ort Penuel (Gottesgesicht) und sagte: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen. – Jakob hinkte nach diesem Ringkampf, denn der Fremde hatte ihn aufs Hüftgelenk geschlagen und es ausgerenkt. – Soweit die Aussagen der Bibel. Bei der Deutung dieser urtümlichen Erzählung müssen wir verschiedene „Schichten“ unterscheiden. Der Text enthält wohl Elemente, die auf vorjüdische Zeit zurückgehen und von Nachtdämonen berichtet haben, die den Menschen in der Dunkelheit heimsuchen und quälen, die aber weichen müssen, wenn die Sonne aufgeht. – In der jüdischen Tradition wurde der geheimnisvolle nächtliche „Mann“ mit dem offiziellen Gott Jahwe gleichgesetzt, der seinem „Schützling“ Jakob in stiller Stunde gegenübertritt und ihm eine wichtige Lehre erteilen will. Erinnern wir uns: „Jakob“ hat vom Wortsinn her etwas mit „Betrüger“ zu tun und der reale Jakob ist ja wirklich sehr listig gewesen. Er hat sich z B. den Erstgeburtssegen des blinden Isaak erschlichen. Jetzt bittet er wieder um einen Segen. Aber der Segen des himmlischen „Mannes“ wird ihm erst gewährt, nachdem er einen anderen Namen angenommen hat. Erst als „Israel“ (Gottesstreiter) d. h. nach einer gewissen Bekehrung erhält Jakob vom Himmel den Segen für sein Leben und sein Werk. – Dass Jakob den Namen seines Partners wissen will, weist auf ein allgemein menschliches Verlangen hin: Den Namen einer Gottheit zu kennen, bedeutet: um das Wesen und die Absichten dieser mächtigen Person zu wissen. Man kann sie also in Zukunft anrufen, man kann sie sich durch Opfer verpflichten, und man kann mit der Kraft dieses Namens hantieren, d. h. zaubern. Dem Jakob unserer Erzählung werden allerdings solche Ansprüche verwehrt. Gott, bzw. der nächtliche Gottesbote, entzieht sich dem geistigen Zugriff des Menschen. Noch etwas ist zu bedenken: unser Jakob ist ganz erfüllt von Angst und Aufregung seinem tiefgekränkten Bruder Esau gegenüber: Wird Esau den Heimkehrer versöhnlich oder mit Hass empfangen? Wird er ihn umarmen oder erdolchen? – In dieser Situation begegnet Jakob eine himmlischen „Machtinstanz“, die ihn wohl bedrängt und schädigt (Lähmung der Hüfte), die ihn aber grundsätzlich akzeptiert und leben lässt. – Für Jakobs Kampf mit Gott am Jabbok, Bergkirche Schleiz Der Fluss Jabbok © G. Klaus Esau und Jakob Esau und Jakob
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