Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025 - 3

3/2025 27 über sie, mit Ausnahme von Theoderich, der sie um 1170 als befestigte Stadt beschreibt. Bis heute ist der beeindruckende Turm aus der Kreuzfahrer- und ottomanischen Zeit zu sehen; heute ist dort das archäologische Museum untergebracht. Die Festung, Castrum Saphorie, war Eigentum des Lateinischen Königreichs von Jerusalem. Sepphoris blieb in den Händen der Kreuzfahrer bis zur schicksalhaften Schlacht bei den Hörnern von Hittim, am 4. Juli 1187, als die Kreuzfahrer Galiläa verloren. Nach dem Waffenstillstand von 1229 kehrte die Stadt und die Straße von Nazaret nach Akko unter die Kontrolle der Kreuzfahrer zurück, aber 1239 fiel sie wieder in die Hände der Muslime. 1251 hielt sich der hl. König Ludwig IX. von Frankreich hier auf. Nach einem Dokument aus dem Jahr 1255 war Sepphoris Eigentum des Bischofs von Nazaret. Burkhard vom Berg Zion, der die Stadt 1283 besuchte, beschreibt sie als eine muslimische Festung. Geschichte der Kreuzfahrerkirche St. Anna Der Graf Josef von Tiberias (ca. 285–356), der vom Judentum zum Christentum konvertierte, ließ hier ein Kirche bauen, obwohl die Stadt großteils jüdisch war – derselbe Graf erbaute auch die erste Kirche in Tabgha, wo heute die Brotvermehrungskirche steht. Im 6. Jahrhundert schreibt der Pilger von Piacenza, dass er in Diocäsarea (Sepphoris) Reliquien sah, die mit Maria in Verbindung standen, darunter der Sitz, auf dem die Jungfrau gesessen haben soll, als der Engel ihr die frohe Botschaft der Geburt des Erlösers brachte. Offenbar ist dies das erste Zeugnis, das Sepphoris mit Maria in Verbindung bringt. Im 12. Jahrhundert lässt sich eine Verstärkung der Traditionen feststellen, wonach St. Anna aus Sepphoris stammte. Johannes von Würzburg schreibt, dass Maria hier geboren wurde, obwohl Hieronymus, der im 4. Jahrhundert in Betlehem lebte und die Bibel ins Lateinische übersetzte, berichtete, dass Maria aus Nazaret stammte. Eigenartigerweise erwähnt kein Pilger aus der Kreuzfahrerzeit eine Kirche in Sepphoris, obwohl die Tradition diesen Ort als Heimat der Familie Marias kennt. Möglicherweise ist dies dadurch begründet, dass dies eine Tradition der lokalen Christen war, während die kirchlichen Autoritäten von Nazaret, denen Sepphoris unterstand, die Bedeutung von Nazaret als Heimat Marias unterstreichen wollten. Im 14. Jahrhundert schreibt Giacomo von Verona, Sepphoris sei die Stadt des hl. Joachim, während St. Anna aus Jerusalem stammte, wo die Kreuzfahrer die bis heute existierende Anna-Kirche gebaut hatten. Der Franziskaner Niccolò von Poggibonsi beschreibt Sepphoris als zerstörten Ort, wo es aber eine Kirche gebe, die als Ort der Geburt Mariens verehrt werde. Im 17. Jahrhundert festigt sich die Tradition der Verehrung der Kreuzfahrerkirche als Ort, wo Maria geboren wurde. Der franziskanische Chronist Francesco Quaresmi schreibt: „Am Ort, wo das Haus des Joachim war, wurde eine elegante Kirche aus behauenen Steinen errichtet. Zwei Säulenreihen tragen das Gewölbe der drei Schiffe. Sie hat drei Kapellen-Apsiden, in denen heute einige Mauren wie kleine Küken wohnen.“ Blick zu den drei Apsiden der Kirchenruine St. Anna in Sepphoris St. Anna in Sepphoris

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