3/2025 29 Kelt (zwischen Jerusalem und Jericho), wo ihm ein Engel verkündete, dass seine Frau Anna ein Kind erwartete. Nach der Geburt Mariens blieben Joachim und Anna noch in Jerusalem, wo sie achtzig Tage nach der Geburt im Tempel dargebracht wurde. Die Tradition von Sepphoris ist zwar weniger alt als die von Jerusalem, aber sie ist nicht von vornherein zu verwerfen. Möglicherweise hat Maria nach ihrer Geburt in Sepphoris gelebt und dort Josef getroffen, der aus dem nahen Nazaret war. Josef war nach den Evangelien tekton, „Schreiner“ oder allgemein „Handwerker“. Da Nazaret ein kleines und abgelegenes Dorf war, ist es vorstellbar, dass er in Sepphoris, der Hauptstadt Galiläas, Arbeit fand und dort Maria kennenlernte. Beschreibung der St.-Anna-Kirche in Sepphoris Als der Guardian von Nazaret im Jahr 1909 die ersten Ausgrabungen auf dem Grundstück der Franziskaner in Sepphoris durchführte, schloss er, dass die Kirche auf den Ruinen einer Synagoge errichtet wurde, deren Mosaikfußboden auf das 3. oder 4. Jahrhundert datiert werden kann. Eine Inschrift ist teilweise erhalten und erwähnt einen „Rabbi Juda, Sohn des Tanhum, Sohn des Bota“, der dieses Mosaik gestiftet hat. Dieses Mosaik wurde unter der Nordwand der Kirche gefunden. Daraus kann geschlossen werden, dass die Erbauer der Kirche nichts von der Synagoge wussten. Außerdem wurde das Kapitell einer Säule mit einem Kreuz und einer griechischen Inschrift gefunden. Es stammt möglicherweise aus einer älteren, byzantinischen Kirche. Von der Kreuzfahrerkirche sind vor allem die drei Apsiden erhalten, außerdem Reste der Außenmauern im vorderen Bereich. Über den Apsiden sind die Wohnräume, die die Franziskaner 1879 errichtet haben. Die Apsiden sind, typisch für Kreuzfahrerkirchen, mit Spitzbögen überwölbt. Die mittlere Apsis ist höher als die beiden seitlichen. Die Kirche war 22 m breit und wahrscheinlich 36 m lang, die Mauern 2,2 m dick. Die Kirche hatte drei Schiffe, die in fünf Joche unterteilt waren. Sie ist aus einem weichen Kalkstein errichtet, der leicht zu bearbeiten war. Dass die Apsiden so gut erhalten sind, ist der Tatsache zu verdanken, dass sie in den Abhang eines Hügels hineingebaut sind und so eine gewisse Stabilität haben. Die Zentralapsis ist in den Felsen gehauen, der einen guten Meter höher ist als der Boden der Kirchen. Davor dürfte sich ein ebenfalls erhöhtes Presbyterium befunden haben; Reste der Stufen, die zu ihm führten, sind noch erhalten. Die mittlere und die südliche (rechte) Apsis sind halbkreis-förmig, die nördliche dagegen ist tiefer; heute dient sie als Kapelle. Was für eine Funktion sie ursprünglich hatte (Seitenkapelle? Sakristei?), ist unbekannt. Die Dicke ihrer Mauern lassen vermuten, dass sich über ihr ein Glockenturm befand. Die christliche Tradition in Sepphoris Nach dem Franziskaner-Archäologen Bellarmino Bagatti lebten im 1. Jahrhundert n. Chr. in Sepphoris minim. Dieses hebräische Wort bedeutet Häretiker und bezeichnete Juden, die zum Christentum konvertiert waren, also Juden-Christen. 1931 führte die Universität von Michigan Ausgrabungen im oberen Bereich der Stadt durch, nahe der Festung aus der Kreuzfahrer- und der ottomanischen Zeit, und entdeckte Reste einer byzanKopie des besagten Mosaiks in der Kapelle der Kirchenruine St. Anna in Sepphoris St. Anna in Sepphoris
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