3/2025 5 Taybe Taybe Idyllisch zieht sich Taybe mit seinen traditionellen Steinhäusern über den Hügelkamm inmitten der typisch südlevantinischen Landschaft. Olivenhaine umgeben den Ort, Mandelbäume und Feigen, und seit 2013 auch Rebstöcke. Die Altstadtgassen stammen aus Zeiten, in denen man sich zu Fuß fortbewegte. Selbst geübten Autofahrern sind sie eine Herausforderung. Omnipräsent: Kreuze, Marias und der Dorfpatron „Al Khader“, wie der Heilige Georg hier genannt wird. Unzweideutig sagen sie: Hier wohnen Christen, und sie sind stolz auf ihren Glauben. Taybe sei „zur letzten Verteidigungslinie für eine lebendige christliche Präsenz im Land Jesu geworden“, formuliert es der lateinische Pfarrer Baschar Fawadleh. Seit Jahrzehnten lasten die israelische Besatzung, Sperrmauer und Checkpoints auf den Palästinensern, auch in Taybe. Ein Besuch in der Grabeskirche in Jerusalem? Nicht ohne vorherige Genehmigung, wie es sie unter strikten Bedingungen zu Ostern oder Weihnachten gibt. Ein Nachmittag am Mittelmeer? Unmöglich. Der Weg zur Geburtskirche in Betlehem, dem südlichen Teil des besetzten Westjordanlands: eine Odyssee. Es ist ein „Leben im Käfig“, sagt Baschar Fawadleh, und dessen Gitter werden immer enger. Seit die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel brutal angegriffen hat, schlägt Israel nicht nur im Gazastreifen zurück. Auch die Palästinenser im Westjordanland zahlen einen immer höheren Preis. Keine Arbeitserlaubnisse mehr für Israel. Immer neue Checkpoints und Barrieren, dazu tägliche Militärkontrollen und Razzien: Wie ein Krebs wuchern die Auswirkungen auch in und um Taybe. Apps, lokale WhatsApp-Gruppen mit Infos zu Straßensperren in Echtzeit und Kontakte vor Ort sind unerlässliche Werkzeuge der Navigation durch das sich konstant verändernde Labyrinth blockierter Straßen. Wann eine Schranke geschlossen, ein Checkpoint geöffnet wird, liegt im Ermessen israelischer Soldaten. Der Weg ins knapp 20 km entfernte Ramallah etwa hat sich verdoppelt. Und dann sind da die Siedler. Zu den vier völkerrechtlich illegalen israelischen Siedlungen Rimonim, Kochav HaShachar, Ofra und Neve David auf dem Land um Taybe kommen immer weitere Siedlungsaußenposten hinzu. Sie sind selbst nach israelischem Recht illegal. Unternommen wird jedoch nur seltenst etwas gegen sie. Seit dem fatalen 7. Oktober hat ihre Gewalt im gesamten Westjordanland zugenommen, ohne dass irgendjemand sie aufhielte – auch deshalb, weil Siedler und israelische Sicherheitskräfte oft Hand in Hand gehen. Zwischen beiden zu unterscheiden, sei unmöglich, so Baschar Fawadleh. „Wenn sie die Uniform anziehen, sind sie Polizei oder Militär, legen sie sie ab, sind sie Siedler.“ Immer wieder trifft die Gewalt auch den kleinen christlichen Ort. Mehrere Bewohner sind dabei so schwer verletzt worden, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Gleichzeitig boten die Christen ihren muslimischbeduinischen Nachbarn auf der Flucht vor der Siedler- Pfarrer Baschar Fawadleh © Andrea Krogmann
RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=