Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-2

10 2/2026 IM LAND DES HERRN üblen Racheplan ausheckte. – Er fing 300 Füchse (von der Wortbedeutung her können es auch Schakale gewesen sein), band je zwei an den Schwänzen zusammen und befestigte eine Fackel in der Mitte zwischen den Schwänzen. Er zündete die Fackeln an und ließ die verschreckten Tiere in die Getreidefelder der Philister laufen. Die Bibel sagt: „So verbrannte er die Garben und das noch stehende Korn, ebenso die Weingärten und die Ölbäume“ (Ri 15,5). – Im Blick auf heutige Leser sei, mit den Worten eines modernen Kommentators, hinzugefügt: „Für den biblischen Erzähler steht nicht das grausame Geschick des Tieres im Mittelpunkt, sondern die Anstiftung eines chaotischen Desasters, das die Versorgung der Philister torpediert“ (M. Görg). – Als die Philister erfuhren, dass Simsons Schwiegervater den Anlass zu dieser Tat gegeben hatte, zündeten sie ihm das Haus an, wobei Simsons Frau in den Flammen umkam. – Simson geriet darüber in solche Wut, dass er allen Philistern, deren er habhaft werde konnte, „mit gewaltigen Schlägen die Knochen entzwei schlug“ (Ri 15,8). Simson in Gaza Eines Tages besuchte Simson die Philisterstadt Gaza, er sah dort eine Dirne, die ihm gefiel, und er verbrachte die Nacht bei ihr. Als die Einwohner von Gaza hörten, dass Simson sich in ihren Mauern aufhalte, lauerten sie ihm am Stadttor auf, um ihn zu fangen und zu töten. Aber Simson achtete nicht auf seine Häscher. Er schlief ruhig bis gegen Mitternacht. Dann stand er auf, packte die Flügel des Stadttores mit den beiden Pfosten und riss sie zusammen mit dem Riegel heraus. Er lud sich die ganze Last auf die Schultern und trug sie auf den Gipfel des Berges, der Hebron gegenüber liegt (Ri 16,1–3). Mit dieser Tat tritt Simson in die Nähe des klassischen Heldentypen (wie wir ihn aus der griechischen Sage kennen, verkörpert z. B. in der Gestalt des Herakles). Simson, der die Tore sprengt, ist aber nicht nur mit ägyptischen und griechischen Gottheiten verwandt, er wird in der christlichen Kunst auch zum Vorbild Christi, der an Ostern die Tore der Unterwelt durchbricht. Simson und Delila Mit dieser Überschrift nähern wir uns dem End- und Höhepunkt der Simson-Geschichten. Der Held, der so stark ist, dass man ihm körperlich nicht beikommen kann, ist „seelisch verwundbar“, d. h. auf dem Gebiet von Liebe und Zärtlichkeit sind ihm andere, vor allem Frauen, überlegen. Nicht also mit den Waffen der „Männer und Krieger“, sondern mit den „Waffen einer Frau“ ist er zu schlagen. Das muss unser Simson eines Tages schmerzlich erfahren. Aber folgen wir der biblischen Erzählung: Wieder einmal verliebte sich Simson in eine attraktive Frau. Sie lebte im Tal Sorek und hieß Delila. Als bekannt wurde, was Delila für den jüdischen Helden bedeutete, kamen führende Philister zu ihr und sagten: Betöre ihn und suche herauszufinden, wodurch er so stark ist, damit wir ihn überwältigen können. Jeder von uns wird dir dann elfhundert Silberstücke geben. – Es liest sich recht amüsant, wie Delila nun mit Simson spielt und wie er seinerseits seine Freundin (und ihre Verbündeten) mehrmals hinters Licht führt. Aber das tragische Ende kündet sich schließlich Simson mit den Stadttoren von Gaza, Mosaik 12. Jahrhundert, St. Gereon Köln

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