Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-2

2/2026 5 dieses eine Mal!“ (vgl. Ri 10,12 ff.). – Und zum Zeichen ihrer Buße und Besserung entfernen die Juden alle fremden Götterbilder aus ihrer Mitte und verehren mit Eifer ihren eigenen Gott. – Das geht dem gekränkten Jahwe so zu Herzen, dass er nicht anders kann: Er beschließt, in den Gang der Geschichte einzugreifen und die Not seiner Kinder zu wenden. – Wir aber richten nun unseren Blick auf die realen Ereignisse, wie sie im Richterbuch geschildert werden. Die Wahl Jiftachs Um gegen ihre Unterdrücker in Kampf zu ziehen, sammelten die Israeliten eines Tages ihre wehrfähigen Männer und bezogen ein Lager in Mizpa, einen Ort im Stammesgebiet Benjamin. Dabei stellte sich heraus, dass man keinen erfahrenen Führer hatte, dem man die geplanten Aktionen anvertrauen konnte. – Da erinnerte man sich eines gewissen Jiftach, der im benachbarten Land Tob als Freischärler lebte und mit einer Gruppe von „Männern, die nichts zu verlieren hatten“ erfolgreiche Streifzüge unternahm. – Jiftach stammte aus Gilead, einer Landschaft westlich des Jordan. Sein Vater hieß übrigens auch Gilead und war eine Zeit lang mit einer Dirne liiert. Aus dieser Verbindung ging der kleine Jiftach hervor, der im Haus seines Vaters lebte, unter Brüdern, die von der Ehefrau Gileads geboren worden waren. Als diese heranwuchsen, wurde ihnen bewusst, das Jiftach nur bedingt zu ihnen gehörte, und sie trieben ihn fort mit den Worten: „Du sollst im Haus unseres Vaters nichts erben, denn du bist der Sohn einer anderen Frau!“ – Jiftach, der sehr geschickt und tapfer war, lernte bald für sich selber zu sorgen. Er wurde (wie schon angedeutet) eine Art „Räuberhauptmann“, der seinen eigenen kleinen Krieg führte. – Einen Mann wie ihn konnte Israel in der Stunde seiner gegenwärtigen Not dringend gebrauchen. So machten sich die Ältesten auf den Weg, um den verjagten Jiftach nach Hause zu bitten und ihm die Position eines Heerführers und des Oberhauptes von Israel anzubieten. Jiftach, der als „gebranntes Kind“ gegen seine Volksgenossen misstrauisch war, ließ sich mit einem feierlichen Eid zusichern, dass alles so durchgeführt werden würde, wie man es heute vereinbart hatte. Dann folgte er der Abordnung aus der Heimat und wurde bald darauf zum „Oberhaupt und Anführer Israels“ (Ri 11,11) eingesetzt. Jiftachs Erfolg Zunächst schickte Jiftach Boten an König der Ammoniter und ließ ihn fragen: „Was haben wir gegeneinander, dass du herangerückt bist, um in meinem Land Krieg zu führen?“ – Es stellte sich aber bald heraus, dass auf diplomatischem Weg keine Verständigung zu erreichen war. Nachdem beide Seiten ihre Ansprüche auf bestimmte Gebiete geltend gemacht hatten, mussten die Waffen entscheiden. „Der Geist des Herrn kam über Jiftach“ (heißt es Ri 11,29) und Jiftach und Simson Jiftach und Simson Das Entsetzen Jiftachs beim Anblick seiner Tochter. Holzschnitt von Carolsfeld um 1860, Klosterbibliothek München St. Anna

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