6 2/2026 er zog mit seinen Truppen gegen die Ammoniter in den Kampf „und der Herr gab sie in seine Gewalt“. – Natürlich haben wir (als moderne Bibel-Leser) erwartet, dass Jiftach seine Gegner besiegen würde, denn die göttliche Vorsehung hatte ja alles entsprechend vorbereitet. Jiftach selber freilich wusste von solchen himmlischen Garantien nichts. Er fühlte sich wohl einen Moment lang unsicher, überfordert von den hohen Erwartungen, die seine Landsleute in ihn setzten. Und in dieser Situation tat er etwas, was ihn berühmt gemacht hat, was ihn aber auch zu einer tragischen Figur hat werden lassen: Er machte Gott für den Fall seines Sieges ein Versprechen. Ein verhängnisvolles Gelübde Er sagte: „O Gott, wenn du die Ammoniter wirklich in meine Gewalt gibst und wenn ich wohlbehalten heimkehre, dann soll, was immer mir als erstes aus der Tür meines Hauses entgegenkommt, dir gehören, und ich will es dir als Opfer darbringen!“ – Tatsächlich lieferte Gott die Ammoniter den Truppen Jiftachs aus. Jiftach schlug die Feinde Israels auf allen Kampfplätzen vernichtend, und nahm von ihnen „zwanzig Städte ein“ (Ri 11,33). – Als der siegreiche Feldherr aber zu seinem Haus zurückkehrte, da kam ihm seine einzige Tochter entgegen und tanzte zur Pauke, um ihren geliebten Vater zu ehren. Als Jiftach sein Kind sah, zerriss er seine Kleider und rief aus: Weh mir, meine Tochter, du stürzt mich ins Unglück! Ich habe dem Herrn etwas versprochen und kann nicht mehr zurück. – Das Mädchen reagierte überraschend sachlich und tapfer; es sagte: Wenn dir Gott den Triumph über deine Feinde verschafft hat, dann tue ruhig mit mir, was du versprochen hast. Nur ein Wunsch möge mir gewährt werden: „Lass mir noch zwei Monate Zeit, damit ich mich in die Berge zurückziehe und zusammen mit meinen Freundinnen meine Jugend beweine!“ – Jiftach ging natürlich gerne auf diesen Wunsch ein. – Die Bibel aber fügt hinzu: „Als die zwei Monate zu Ende waren, kehrte das Mädchen zu ihrem Vater zurück. Und er tat was er gelobt hatte. Sie aber hatte noch mit keinem Mann Verkehr gehabt“ (Ri 11,39). Deutungsversuche Jeder Leser wird von dem Schicksal des jungen Mädchens angerührt sein und unwillkürlich fragen: Was ist der Sinn einer solchen Erzählung? Haben wir geschichtliche Tatsachen, die uns die Hintergründe dieser Episode verständlich machen? – Auf diese Fragen gibt es keine befriedigende Antwort. Wohl wissen wir von Menschenopfern, die in der alten Welt im Zusammenhang mit riskanten Schlachten den Göttern dargebracht wurden. Allerdings wurden sie in der Regel nicht nach, sondern vor der Schlacht dargebracht. – Manche Bibel-Ausleger wollen unsere Geschichte abmildern, indem sie sagen: Das Lebensopfer des jungen Mädchens IM LAND DES HERRN Jiftach bringt seine Tochter dem Herrn als Opfer dar, Richter 11,30 Pfarrkirche Altenerding Oberbayern
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