2/2026 7 muss symbolisch verstanden werden. Jiftach hat seine Tochter nicht dem Tod, sondern einem Heiligtum geweiht, er hat sie (gewissermaßen) zur „Nonne“ bestimmt. – Gegen diese Deutung wendet man ein: Das Mädchen hätte in diesem Fall ein ganzes Leben lang Zeit gehabt, „ihre Jungfräulichkeit zu beweinen“, und sie hätte nicht eigens zwei Monate Frist dafür erbitten müssen. – Unser Text spricht von einem „Brauch in Israel“, dass regelmäßig junge Frauen in die Berge gehen, „und die Töchter Jiftachs beklagen, vier Tage lang, jedes Jahr“ (Ri 11,40). – Wenn ein solcher Brauch hinter unserer Erzählung steckt, müssen wir leider sagen: Wir haben keine Belege für einen solchen Brauch und wir wissen nicht, welchen Sinn er gehabt haben könnte. – Vielleicht soll in unserer Geschichte vor allem die „Treuehaltung eines frommen Menschen Gott gegenüber“ betont werden. Jiftach steht mit allen Konsequenzen zu dem Versprechen, das er seinem Gott gegenüber abgelegt hat. Nicht also das Menschenopfer bildet in diesem Fall den Mittelpunkt unserer Darstellung, sondern die konsequente Bindung Jiftachs an seinen Gott. – Wie immer sich die Sache verhalten mag: Das Gelöbnis Jiftachs hat die Menschen zu allen Zeiten beeindruckt und sie angeregt, in ihrer Phantasie die Gefühle des unglücklichen Vaters und seiner heroischen Tochter nachzuempfinden. Nachklang bei Mozart Als Mozart im Jahre 1780 vom Kurfürsten Karl Theodor von Bayern den Auftrag erhielt, zum Karneval 1781 eine neue Oper mit dem Titel „Idomeneo“ zu schreiben, legte man ihm einen Stoff vor, der zwar im antiken Griechenland spielte, in seinem Zentrum aber das biblische JiftachMotiv enthielt. Ähnlich wie Jiftach hat der kretische Feldherr und König Idomeneo in der Stunde der Gefahr den Schwur getan, im Fall seiner Rettung dem Meeresgott Poseidon das erste Wesen zu opfern, das ihm am Strand begegnen werde. Und wer trifft als erster den geretteten Helden? Es ist das einzige Kind des Königs, der Kronprinz Idamante. – Nach vielen Spannungen und Konflikten, die Mozart meisterhaft in Musik umgesetzt hat, kommt es in der Oper (anders als in der Bibel) in letzter Minute zu einem Happy End. Ein himmlisches Orakel verkündet: Die Götter sind bereit, auf das versprochene Opfer zu verzichten, wenn der alte König die Regierung niederlegt und seinen Sohn als Nachfolger einsetzt. – Verabschieden wir uns von Jiftach mit der kurzen und sachlichen Notiz, die das Richterbuch als eine Art Nachruf auf diesen Mann bringt: „Jiftach war sechs Jahre lang Richter in Israel. Dann starb Jiftach, der Gileaditer, und wurde in seiner Stadt Gilead begraben“ (Ri 12,7). Mozarts Büste auf der Gedenktafel von H. Wimmer an dem Haus in der Burgstraße in München, in dem er seinen „Idomeneo“ komponierte Jiftach und Simson Jiftach und Simson
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