IM LAND DES HERRN 8 2/2026 Simson, der letzte große Richter Wie es sich für eine wirkungsvolle Darstellung gehört, ist der letzte Richter unserer Serie auch der größte, oder sagen wir besser: der am meisten phantastische, der immer wieder alle Grenzen sprengt und ohne fremde Hilfe (Simson agiert fast immer allein, er braucht keine Kameraden und keine jüdischen Soldaten!) staunenswerte Taten vollbringt. – Entsprechend skeptisch sind die Fachleute, was die Geschichtlichkeit der erzählten „Meisterstücke“ betrifft. Hinter den überlieferten Simson-Geschichten ist viel VolksPhantasie am Werk. – In einem modernen Kommentar lesen wir: „Streng genommen ist Simson weder ein Richter noch ein Freiheitskämpfer. Es handelt sich bei ihm vielmehr um einen Helden der Volkssage, dessen physische Kraft gegen die Philister seine (psychische) Schwäche gegenüber den Frauen aufwiegt. Er tritt immer allein auf, und seine Handstreiche bezwecken eher, den Feind lächerlich zu machen als sein Land vom Joch des Besetzers zu befreien“ (Lexikon der bibl. Eigennamen, Patmos-Düsseldorf 1981, S. 337). – Von seinem Namen her und auch von der Rolle her, die Simson spielt, hat unser Held ziemlich viel mit der Sonne zu tun: „Simson“ heißt: „kleiner Sonnen-Mann“ und wie die Sonne gegen das Dunkel so kämpft unser Simson bei verschiedenen Gelegenheiten gegen die Mächte der Finsternis (die in wilden Tieren oder in politischen Feinden, nämlich den Philistern, verkörpert sind). Die Berufung des Helden Simson wird in einer Familie aus dem Stamm Dan geboren, seine Heimat ist die Stadt Zora. Zur Zeit seiner Geburt ist wieder einmal die übliche „Not-Situation“ getreten: Gott hat das Volk seiner Sünden wegen in die Hände der feindlichen Philister gegeben. – Simson tritt wie ein „klassischer Gottesmann“ in die Welt (was von ihm erzählt wird, hören wir später wieder von Johannes dem Täufer und in abgewandelter Form von Jesus Christus). Simsons Mutter ist unfruchtbar. Ein „Engel Gottes“ erscheint ihr eines Tages auf dem Feld, um ihr die bevorstehende Geburt eines auserwählten Gotteskindes anzukündigen. Gott hat längst die Hand auf dieses Kind gelegt. Es soll ein „Nasiräer“ sein, d. h. ein ausgesondertes und geweihtes Kind, das sich von verschiedenen Dingen freihält (Genuss von Wein und Bier, und in unserem Fall wird ganz besonders hervorgehoben: „es darf kein Schermesser an seine Haare kommen“). – Im Detail ist es nicht ganz leicht verständlich zu machen, was die zitierten Vorschriften bedeuten. Sie unterstreichen auf jeden Fall die Ausnahmeposition des Helden. Besonders die „Kraft seiner Haare“ wird uns im Folgenden noch beschäftigen. – Die Eltern Simsons sind einfache, fromme Leute. Sie sind beeindruckt von der Tatsache, dass sie einer Simson, einen Philister erschlagend, Süddeutschland, Mitte 17. Jahrhundert © Bayer. Nationalmuseum München Walter Haberland
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