Franziskaner - Herbst 2025

12 FRANZISKANER 3|2025 PILGERN © NATANAEL GANTER OFM Pilger auf dem Weg Eine franziskanische Anthropologie »Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, kein Mensch« – dieser Satz prägt oft unterschwellig das heutige Menschenbild. Im Original von dem römischen Komödiendichter Titus Maccius Plautus verfasst, ist vor allem die Version »homo homini lupus« des englischen Philosophen Thomas Hobbes bekannt. Aufgrund dieses Zitats wird dem Menschen oft ein von Grund auf böser Charakter zugeschrieben, der ihn zum Feind seines Nächsten macht. Die franziskanische Sichtweise nimmt hier einen anderen Ausgangspunkt ein – und kommt so zu einem positiven, dynamischen Menschenbild. Das franziskanische Menschenbild ist durch die Theologie geprägt, entsprechend den Vorstellungen der Zeit von Franziskus und Klara von Assisi und ihrer grundlegenden Spiritualität. An seiner Entwicklung hatten zudem auch Antonius, Alexander von Hales, Bonaventura, Petrus Johannis Olivi, Johannes Duns Skotus und andere großen Anteil. Im Gegensatz zu einer negativen Interpretation des Menschen als Wolf sehen sie den Menschen als möglichen Freund der Welt und Gottes. Diese franziskanische Anthropologie setzt bei der Grundlegung des Lebens in einer schöpfungsgemäßen Dynamik der Liebe an. Ausgehend von biblischen Texten wird Gott als dynamische und schöpferische Liebe in der Beziehung zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist gedeutet. Diese Betrachtung des Dreifaltigen Gottes als beziehungsstiftende Johannes Baptist Freyer

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