Franziskaner - Herbst 2025

28 FRANZISKANER 3|2025 Zwischen Freiwilligkeit und Pflicht Die Debatte um den Wehrdienst Maximilian Feigl Am 27. August hat sich das Bundeskabinett auf den Gesetzentwurf zur Modernisierung des Wehrdienstes geeinigt. Dessen Ziel ist es, die Bundeswehr mit mehr Personal auszustatten, damit diese »der massiven Verschärfung der Bedrohungslage in Europa infolge des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine« gerecht werden kann – so die Begründung im Gesetzentwurf. Konkret heißt dies, dass die Bundeswehr von den aktuell rund 180.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten auf 260.000 anwachsen soll. Zudem soll die Reserve auf 200.000 Personen steigen. Um diesen Zuwachs zu erreichen, setzt die Regierung auf Freiwilligkeit: Künftig sollen alle Bundesbürger zu ihrem 18. Geburtstag Post von der Bundeswehr bekommen. In einem Fragebogen sollen sie über ihre Bildungsabschlüsse, Qualifikationen und körperliche Fitness Auskunft geben. Außerdem sollen sie erklären, ob sie den Dienst antreten wollen. Männer müssen das Schreiben beantworten, auch wenn sie nicht dienen wollen, bei Frauen ist das Antworten freiwillig. Damit will die Regierung mehrere Ziele erreichen: Zum einen sollen mehr Freiwillige für die Bundeswehr gefunden werden, um den geplanten Personalzuwachs zu stemmen. Mit den Fragebögen kommt zudem die Wehrerfassung zurück. Das bedeutet, dass wieder Daten zu allen wehrfähigen Männern gesammelt und gespeichert werden, auf die man im Spannungs- oder Verteidigungsfall zurückgreifen kann. Die Wehrerfassung ist gleichzeitig auch Basis für eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht. »Die Versuche, mit Freiwilligen entsprechende Ressourcen aufzubauen, funktionieren leider nicht in dem Umfang, wie wir ihn benötigen«, kritisiert Thomas Schwappacher, Stellvertreter des Bundesvorsitzenden des DBwV. Damit bezieht er sich auf die Erfahrungen, die die Bundeswehr bisher mit Freiwilligen gemacht hat. Denn seit dem Aussetzen der Wehrpflicht 2011 ist sie auf Freiwillige angewiesen. Und bisher waren es immer zu wenige. Daher spricht sich der Bundeswehrverband schon seit über zwei Jahren für eine Wehrpflicht aus. Gegen eine Wehrpflicht hat sich hingegen der BDKJ positioniert. Der Verband lehnt verpflichtende Gesellschaftsdienste ab und betont, dass Engagement freiwillig und selbstbestimmt sein muss, um seinen Wert für die Gesellschaft und die persönliche Entwicklung entfalten zu können. »Seit der Einführung 1957 bis 2002 haben wir die allgemeine Wehrpflicht mitgetragen und haben sie in dieser Zeit auch als sicherheitspolitische Notwendigkeit gesehen«, führt BDKJ-Bundesvorsitzender Volker Andres aus. »Jetzt ist das Kernanliegen, dass wir mehr Personal brauchen – die Pflicht ist aber nicht das Mittel, Personalressourcen aufzubauen. Uns fehlt hier eine sicherheitspolitische Begründung, um einen solchen Eingriff in die Grundrechte zu rechtfertigen.« Um die gewünschte Truppenstärke zu erreichen, müsse die Bundeswehr weiterhin auf Freiwilligkeit setzen. Andres sagt aber auch: »Wenn man den heutigen Wehrdienst weiterführt, ohne die Rahmenbedingungen zu Die Gesellschaft diskutiert über Wehrdienst und Wehrpflicht – und auch im Orden gibt es unterschiedliche Erfahrungen: Unter den Brüdern finden sich ehemalige Zivildienstleistende ebenso wie Wehrdienstleistende, ja sogar ein früherer Berufssoldat. Statt jedoch alte Erfahrungen in die Debatte einzubringen, fragen wir lieber diejenigen, die heute direkt betroffen sind: den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und den Deutschen Bundeswehrverband (DBwV). BUNDESWEHR © JULIANE SONNTAG | PICTURE-ALLIANCE.COM

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