29 FRANZISKANER 3|2025 entspricht. Trotzdem bleibt eine große Lücke zu den Zielen im neuen Gesetzentwurf: Darin wird für 2026 mit 20.000 Wehrdienstleistenden gerechnet, 2030 sollen es 38.000 sein. Zugleich stieg eine weitere für den Wehrdienst wichtige Kennzahl: die der Kriegsdienstverweigerer. 2022 gingen beim zuständigen Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) lediglich 951 Anträge zur Anerkennung auf Kriegsdienstverweigerung ein. 2023 lag die Zahl bei 1079 und 2024 bei 2241 Anträgen. In der ersten Hälfte dieses Jahres waren es bereits 1363 Anträge, was eine weitere Steigerung vermuten lässt. Die Anträge können von aktiven Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten gestellt werden, aber auch von Reservisten und Ungedienten. Zuletzt lag die Gruppe der Reservisten unter den Antragstellern jeweils vorn. Als generelle Ablehnung einer Wehrpflicht will Schwappacher die Zahlen nicht verstanden wissen. Für ihn ist dies ein Zeichen dafür, dass sich viele Menschen zum ersten Mal überhaupt damit auseinandersetzen, ob sie mit der Waffe auf einen anderen Menschen schießen könnten. »Und da gibt es natürlich viele, die sagen: ›Nein, dazu bin ich nicht bereit‹ und dann den Kriegsdienst verweigern«, sagt er. »Und Gott sei Dank haben wir die kluge Entscheidung im Grundgesetz, dass man den Kriegsdienst verweigern kann.« Er ist von der verändern, dann ist es illusorisch zu glauben, dass die Änderungen zu höheren Zahlen an Freiwilligen führen werden. Man muss den Wehrdienst insgesamt attraktiver gestalten.« Dazu gehören nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Rahmenbedingungen wie der Dienstort und die Ausrüstung – gerade bei Letzterem hatte die Bundeswehr in der Vergangenheit immer wieder mit großen Problemen zu kämpfen. Aussagen, denen sich der Bundeswehrverband nur anschließen kann. Schließlich ist es dem Verband als Interessenvertretung aller Menschen in der Bundeswehr ein grundlegendes Anliegen, den Dienst für alle Soldatinnen und Soldaten attraktiver zu machen – unabhängig von ihrem Status als freiwillig Wehrdienstleistende, Soldaten auf Zeit oder Berufssoldaten. »Wenn wir die letzten 15 Jahre Revue passieren lassen, haben sich einige Dinge verbessert«, erklärt Schwappacher. »Die Attraktivitätsmaßnahmen fruchten – aber nicht so, dass wir die neuen Personalziele erreichen können.« Dies zeige sich auch in der zuletzt gestiegenen Zahl der freiwillig Wehrdienstleistenden. So ließ das Bundesministerium für Verteidigung Ende Juli wissen, dass deren Zahl auf insgesamt 11.350 angestiegen ist, was einem Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr PORTRÄT THOMAS SCHWAPPACHER © MARIO FIRYN | DBWV; PORTRÄT VOLKER ANDRES © CHRISTIAN SCHNAUBELT | BDKJ-BUNDESSTELLE; WERBUNG BUNDESWEHR © JOCHEN TACK | PICTURE-ALLIANCE.COM Stabsfeldwebel a.D. Thomas Schwappacher hat sich nach seinem Wehrdienst für eine Laufbahn bei der Bundeswehr entschieden. Heute ist er Berufssoldat im Ruhestand und Stellvertreter des Bundesvorsitzenden des Deutschen Bundeswehrverbandes. Als solcher kümmert sich der gläubige Christ unter anderem um die Belange der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verbandes. Volker Andres hat sich für den Zivildienst entschieden und ist dementsprechend ein Kriegsdienstverweigerer. Der Theologe ist stark in der Jugendarbeit engagiert, unter anderem über die KjG, die DPSG und die AGV. Seit 2018 ist er hauptamtlicher Diözesanvorsitzender im BDKJ Diözesanverband Köln. Auf der BDKJ-Hauptversammlung 2025 wurde er zum (hauptamtlichen) BDKJ-Bundesvorsitzenden gewählt. Seit Jahren mangelt es der Bundeswehr an Personal, weshalb sie auf allen Kanälen für sich wirbt. Die Werbemaßnahmen sind jedoch umstritten: Eine Plakatkampagne aus dem Jahr 2024 wurde für ihre Videospiel-Optik kritisiert, ein Werbespot zur Frauenfußball EM 2025 wurde als kriegsverherrlichend eingestuft.
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