34 FRANZISKANER 3|2025 RENDERING © KUEHNMALVEZZI | DAVIDE ABBONACCI House of One Berlin Interreligiöser Dialog durch Architektur und Kunst Im säkular geprägten Deutschland, wo Religionen an Bedeutung verlieren und internationale Konflikte das gesellschaftliche Miteinander belasten, haftet dem interreligiösen Dialog immer stärker etwas Unzeitgemäßes an. Daran ändern auch bisweilen kräftige offizielle Bekundungen eines gesellschaftlichen Rangs von Religionen nichts. Und doch sind angesichts der großen Zukunftsthemen interreligiöse Aufbrüche wichtiger denn je. Mit dem House-of-One-Projekt haben wir uns in Berlin 2009/10 auf den Weg gemacht, als Juden, Christen und Muslime sich zusammenfanden, um mit der gemeinsamen Planung eines neuartigen Sakralgebäudes zu beginnen: ein Bet- und Lehrhaus, ohne Religionsvermischung, aber dafür ein Ort des gegenseitigen Kennenlernens. Ein Ort des gemeinsamen Entwerfens und Arbeitens, an dem Schritt für Schritt Vertrauen und Frieden wachsen. Ein weltweit ausgeschriebener Architekturwettbewerb machte die Idee des House of One bereits 2012 international bekannt. Und seit 2014 flankiert eine wachsende inhaltliche Arbeit, vor allem im Bereich der Bildung und Fortbildung, den Bauplanungsprozess. Damit folgen wir auch dem Beispiel, das Franziskus von Assisi mit seiner Begegnung mit Sultan al-Kamil in Damiette im Jahr 1219 gab. Denn jenseits des Legendarischen zeigt sich im genaueren Hinsehen das unzeitgemäß Moderne, das uns wichtig wurde und unsere eigene Arbeit begleitet. Wie offen war 1219 der Ausgang dieser Begegnung – in der Zeit des 5. Kreuzzugs, in einer Zeit also, als die Verteufelung der jeweils anderen Religion die Regel war. Mitten im Krieg, inmitten der Belagerung der ägyptischen Stadt Damiette durch das Heer der Kreuzfahrer dennoch den Dialog zu suchen, nichts unversucht zu lassen, ohne jede Aussicht auf ein Gelingen, ist damals und heute ein Zeichen des interreligiösen Dialogs. Mehr noch: Franziskus von Assisi erbat den Dialog in einer für damalige Verhältnisse gänzlich fremden Art und Weise: in materieller Armut und theologischer Demut. So besagt das Missionsstatut in der Franziskanerregel von 1221: »Die Brüder, die hinausziehen, können in zweifacher Weise unter ihnen geisterfüllt wandeln. Eine Art besteht darin, dass sie weder zanken noch streiten, sondern um Gottes willen jeder menschlichen Kreatur dienstbar sind und bekennen, dass sie Christen sind.« Kein Missionsfeldzug, keine Vernichtung der Ungläubigen, keine Konfrontation, sondern eine Methodik der Empathie. Beim House of One wissen wir uns diesem Ansatz verbunden und haben ihm 2011 mit einer »Charta des House of One« eine eigene Gestalt gegeben, als rechtsverbindliches Fundament unserer Bemühungen. Unzeitgemäß zu sein, kann deshalb auch zum Gebot der Stunde werden. Als neue Wege, die Reibung und offene Ausgänge nicht scheuen – und die Orientierung gewinnen an denen, die zu ihrer Zeit unzeitgemäß waren. In diesem Sinne ist nicht zuletzt Franziskus von Assisi in seinem Leben und Wirken auch für das House of One ein immer wieder gesuchter und befragter Bezugspunkt.
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