37 FRANZISKANER 3|2025 Hungersnot Thomas Kleinveld selbst. Sie betrachten den Zugang zu Wasser, Bildung oder Gesundheitsversorgung nicht als Rechte, die der Staat ihnen gewähren muss. Unwissend und verzweifelt nehmen sie diese Ungerechtigkeiten als ihr Schicksal hin«, sagt Fabiola Todisoa von den Young Franciscans, die die Interviews durchgeführt hat. »Diese Unwissenheit wird von der Regierung ausgenutzt, die nicht das Notwendige unternimmt, um die Situation zu verbessern.« Um diese Dynamik zu durchbrechen, beschlossen die Young Franciscans, sich an die Vereinten Nationen zu wenden. Mithilfe von Franciscans International erstellten sie einen Bericht für die Universal Periodic Review (UPR) Madagaskars. Bei diesem Mechanismus der UN überprüfen Länder gegenseitig ihre Menschenrechtsbilanz. Im Rahmen dieses Prozesses können Nichtregierungsorganisationen Informationen aus erster Hand einreichen und Empfehlungen zur Verbesserung der Situation abgeben. Wenn diese angenommen werden, wird von der Regierung erwartet, dass sie einen Plan zur Umsetzung erstellt, der von der internationalen Gemeinschaft überwacht wird. In ihrem Bericht machten die Young Franciscans zahlreiche Vorschläge: einen neuen Sozialschutzplan für von den Auswirkungen des Klimawandels Betroffene, Maßnahmen für mehr Transparenz in der Finanzierung von Umweltpolitiken und die Schaffung einer neuen, auf Menschenrechten basierenden Politik zur Binnenmigration. Im November 2024 reisten Fetra und Fabiola nach Genf, wo sie sich mit Diplomaten und anderen Interessengruppen trafen, um Unterstützung für ihre Empfehlungen zu gewinnen. Letztendlich fanden 80 Prozent dieser Empfehlungen Eingang in die abschließende Debatte über die UPR Madagaskars. »Es reicht jedoch nicht aus, Empfehlungen vor internationalen Gremien zu unterstützen. Es muss konkrete Reformen geben, wirksame Freiheit für Menschenrechtsverteidiger und Sanktionen gegen diskriminierende Praktiken«, sagt Fabiola. In diesem Bewusstsein werden die Young Franciscans nicht nur weiterhin Druck auf ihre Regierung ausüben, sondern auch Kampagnen und Aufklärungsprogramme ins Auge fassen, um Konflikte und Spannungen abzubauen. »Madagaskar leidet unter der ganzen Wucht der Klimakrise und ihren Auswirkungen, aber wir müssen auch erkennen, dass wir als Bürger teilweise für diese Krisen verantwortlich sind. Wenn es der Regierung gelingt, das Bewusstsein der lokalen Gemeinschaften, insbesondere in ländlichen Gebieten fernab der Städte, zu schärfen und sie zu unterstützen, gibt es vielleicht noch Hoffnung«, sagt Fetra. »Die Zukunft des Landes liegt in den Händen seiner Bürger.« Im Jahr 2024 versorgte das World Food Programme (WFP) über 180.000 akut unterernährte Kinder im Alter von 6 bis 59 Monaten © MÉGANE SSU | PEXELS.COM
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